Ehemalige Grenzbebauung

Öffentliches und privates Baurecht, Bebauungsrecht, Nachbarrecht

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Riesling
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Ehemalige Grenzbebauung

Beitrag von Riesling » 23.05.19, 16:54

Guten Tag,

ich würde mich über Gedanken zum Thema Grenzbebauung freuen. Angenommen es wäre der Fall dass ein knapp 100 Jahre altes, brüchiges Haus abgerissen wird.
Damals wurde direkt auf die Grenze gebaut. Schauten die früheren Bewohner aus dem Fenster, so waren Sie bereits mit dem Kopf im Hof des Nachbarn.

Nun soll das alte kleine Haus abgerissen werde, Ein neues, wesentlich größeres Haus mit knapp 8 Appartments soll entstehen.
Da die Nachbarn weder mit dem Neubau noch mit dem Bauherrn harmonieren, gaben Sie nicht Ihr Einverständnis zum Neubau und verweigerten die Unteschrift.

Da nun dennoch gebaut werden soll fragt man sich, wo der Verlauf der neuen Grenze geregelt wird?
Wie werden die Abstände berechnet?
Ist erneut eine Grenzbebauung möglich?

Herzlichen Dank für jede Teilnahme.
Erst wägen dann wagen,
erst denken dann sagen.

SusanneBerlin
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Re: Ehemalige Grenzbebauung

Beitrag von SusanneBerlin » 23.05.19, 17:12

Hallo,
Da die Nachbarn weder mit dem Neubau noch mit dem Bauherrn harmonieren, gaben Sie nicht Ihr Einverständnis zum Neubau und verweigerten die Unteschrift.
Na wenn sie Ihr Einverständnis nicht gegeben haben, dann haben sie den Bauplan doch gesehen.
Oder wurde nur mündlich gefragt ob sie das Einverständnis geben würden und sie haben sofort mündlich abgelehnt? Schlauer wäre es gewesen, sich erstmal den Bauplan zeigen zu lassen, dann weiß man wenigstens was Sache ist, bevor man ablehnt.
Da nun dennoch gebaut werden soll fragt man sich, wo der Verlauf der neuen Grenze geregelt wird?
Der Grenzverlauf wird sich nicht ändern. Dazu müsste jemand einen Teil seines Grundstücks verkaufen.

Um welches Bundesland gehts? Das ist wichtig, weil Bauordnungen Ländersache sind. in der Bauordnung des Bundeslandes kann man dann nachsehen, wie die Nachbarbeteiligung geregelt ist.
Wie werden die Abstände berechnet?
Grenzabstand wird gemessen: Von der Grenze zum Gebäude.
Ist erneut eine Grenzbebauung möglich?
Dazu muss man den Bebauungsplan der Gemeinde kennen, in dem das Grundstück liegt.
Grüße, Susanne

ktown
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Re: Ehemalige Grenzbebauung

Beitrag von ktown » 23.05.19, 17:23

Rein aus der Tatsache, weil vorher ein Bestandsgebäude auf der Grenze stand kann man eine neuerliche Grenzbebauung nicht begründen.
Wie schon SusanneBerlin sagte, kommt es einzig auf den B-Plan an. Sollte solch einer nicht vorliegen, dann wird alles über das BauGB geregelt.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

MGH
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Re: Ehemalige Grenzbebauung

Beitrag von MGH » 24.05.19, 08:29

Es gibt Einzelfälle, bei denen ggf eine neue Grenzbebauung zugelassen wird, das bedingt aber entweder eine bauliche Sondersituation oder entsprechende Regelungen im Bebauungsplan. Dazu können Sie sich auch bei Ihrer Bauaufsichtsbehörde beraten lassen, Die muss ja dann letztendlich auch den Bauantrag genehmigen. Hier aus der Ferne ist das nicht zu beurteilen.

Normalerweise müssen bei Neubauten auch die aktuellen Vorschriften eingehalten werden, Sowohl aus Brandschutz als auch wegen der Abstandsflächen wird dann vermutlich mit Grenzabstand gebaut werden müssen.

Wenn die an der Grenze bleiben wollen, bliebe nur eine Sanierung des Bestandes. Auch hier sollten Sie mit der Bauaufsicht reden, wie viel Umbau / Teilabbruch noch als Sanierung gesehen wird.

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