Berechnung der Höhe des Pflichtteils

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tomtom4645
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Berechnung der Höhe des Pflichtteils

Beitrag von tomtom4645 » 09.06.19, 11:24

Ein Ehepaar (kinderlos) lebt in Zugewinngemeinschaft
Das gemeinsame Vermögen beträgt 400.000 Euro
Es existiert ein Erbvertrag, in dem sich die Eheleute gegenseitig zu Alleinerben einsetzen

Die Ehefrau verstirbt. Zum Zeitpunkt des Todes lebt noch Ihre Mutter, der ein Pflichtteil von 1/16 zusteht

Wie berechnet sich nun der Pflichtteil der Mutter der Verstorbenen?

Vorstellung 1:
Der zu vererbende Betrag beläuft sich auf 200.000 Euro
Hiervon erbt der Ehepartner 100.000 + 50.000 Euro (Zugewinnausgleich)
Von den verbleibenden 50.000 Euro erhält die Mutter der Verstorbenen 1/16 = 3.125 Euro

Vorstellung 2:
Der zu vererbende Betrag beläuft sich auf 200.000 Euro
Hiervon erbt der Ehepartner 100.000 + 50.000 Euro (Zugewinnausgleich)
Vom gesamten zu vererbenden Betrag (200.000 Euro) erhält die Mutter der Verstorbenen 1/16 = 12,500 Euro

Welche der beiden Vorstellung trifft zu, oder gibt es noch weitere Varianten?

Vielen Dank für jede hilfreiche Antwort und allen schöne Pfingsten,
Thomas

SusanneBerlin
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Re: Berechnung der Höhe des Pflichtteils

Beitrag von SusanneBerlin » 09.06.19, 13:51

Hallo,
Welche der beiden Vorstellung trifft zu,
Keine.

Ihr erster Denkfehler liegt daran, dass Sie ein "gemeinsames Vermögen" annehmen. Bei der Zugewinngemeinschaft wird aber das Einzelvermögen der beiden Ehepartner NICHT zu einem gemeinsamen Vermögen zusamnengeschmolzen, sondern jeder behält sein eigenes Vermögen.

Man ermittelt also erst das Vermögen der Verstorbenen, dann ist die Pflichtteilsberechnung auch ganz einfach.

Zweitens: Der Pflichtteil der Mutter beträgt nicht 1/16 sondern 1/8.

Drittens: Den gleichen Denkfehler wie beim "gemeinsamen Vermögen" machen Sie beim Zugewinnausgleich. Für den Zugewinnausgleichanspruch muss man natürlich jeweils Anfangsvermögen und Endvermögen der beiden Ehepartner kennen (für jeden einzeln). Die Kenntnis des gemeinsamen (addierten) Endvermögen ist für die Zugewinnberechnung nicht ausreichend.

Ist das Vermögen der beiden Ehepartner zum Anfang der Ehe und auch beim Tod der Ehefrau gleichgroß gewesen, beträgt also die Summe der Einzelvermögen genau das Dopoelte der Einzelvermögen, dann gibt es auch nichts auszugleichen, die Vermögen sind und waren ja genau gleich. Wenn es nichts auszugleichen gibt, dann beträgt der Zugewinnausgleich natürlich null.

Von daher ist Ihre Vorstellung wiedersprüchlich, einerseits das "zu vererbende Vermögen" mit genau der Hälfte des "gemeinsamen Vermögens" zu beziffern, und andererseits anzunehmen, dass davon widerum 50% dem Ehemann als Zugewinnausgleich zustehen. Was soll denn ausgeglichen werden, wenn jedem das gemeinsame Vermögen zur Hälfte gehört? Da gibt es nichts auszugleichen.


Viertens kommt der Zugewinnausgleich nur zum Tragen, wenn der längerlebende Ehepartner die Erbschaft ausschlägt. In diesem Fall würde die Mutter Alleinerbin werden, bzw. sind Geschwister der Verstorbenen oder Abkömmlinge von Geschwistern vorhanden, dann erben diese zusammen mit der Mutter. Der Ehemann kann dann im Falle seiner Erbausschlagung, von der Erbin bzw. von der Erbengemeinschaft seinen Pflichtteil und den Zugewinnausgleich verlangen.
Grüße, Susanne

SusanneBerlin
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Re: Berechnung der Höhe des Pflichtteils

Beitrag von SusanneBerlin » 09.06.19, 16:21

Der zu vererbende Betrag beläuft sich auf 200.000 Euro
Hiervon erbt der Ehepartner 100.000 + 50.000 Euro (Zugewinnausgleich)
Angenommen, das Vermögen der Ehefrau am Todestag beträgt 200.000€ und ist damit das "zu vererbende Vermögen" oder einfach der "Nachlass".

Dann erhält der Ehemann als Alleinerbe natürlich alles. = 100% und damit die 200.000€.

Wenn die Mutter ihren Pflichtteil verlangt, muss er den Pflichtteil auszahlen. Der Pflichtteil, 1/8 von 200.000€ beträgt 25.000€. Damit verbleiben dem Ehemann 175.000 als Erbschaft von seiner Frau.


Bei Ihren Rechnungbeispielen blieb beidesmal etwas übrig, haben Sie sich nicht gefragt, was mit dem Rest passiert?
Grüße, Susanne

tomtom4645
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Re: Berechnung der Höhe des Pflichtteils

Beitrag von tomtom4645 » 09.06.19, 20:33

Der Pflichtteil beträgt meines Wissens nach die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

1/8 ist der gesetzliche Erbteil. Davon die Hälfte ergibt 1/16 als Pflichtteil.

Was bei meinen Rechenbeispielen "übrig blieb", darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht..... was passiert denn damit????

SusanneBerlin
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Re: Berechnung der Höhe des Pflichtteils

Beitrag von SusanneBerlin » 09.06.19, 21:18

1/8 ist der gesetzliche Erbteil.
Und wie kommen Si da drauf?
Was bei meinen Rechenbeispielen "übrig blieb", darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht..... was passiert denn damit????
Ihre Rechenbeispiele sind falsch. Es bleibt nichts übrig, weil ein Alleinerbe ALLES bekommt.
Grüße, Susanne

hambre
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Re: Berechnung der Höhe des Pflichtteils

Beitrag von hambre » 09.06.19, 21:27

Wenn die Ehefrau noch Geschwister hat, dann beträgt der Pflichtteil der Mutter 1/16, wenn sie keine Geschwister hat beträgt er 1/8.

Im Übrigen schließe ich mich den Antworten von SusanneBerlin an.

tomtom4645
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Re: Berechnung der Höhe des Pflichtteils

Beitrag von tomtom4645 » 10.06.19, 10:08

Wenn die Ehefrau noch Geschwister hat, dann beträgt der Pflichtteil der Mutter 1/16, wenn sie keine Geschwister hat beträgt er 1/8.
Die verstorbene Ehefrau hat noch Geschwister. Diese haben meines Wissens nach aber keinen Pflichtteilanspruch.

Wieso ist der Pflichtteilanspruch der Mutter (1/8 bzw. 1/16) trotzdem von vorhandenen Geschwistern abhängig?

SusanneBerlin
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Re: Berechnung der Höhe des Pflichtteils

Beitrag von SusanneBerlin » 10.06.19, 10:24

tomtom4645 hat geschrieben:
10.06.19, 10:08
Wenn die Ehefrau noch Geschwister hat, dann beträgt der Pflichtteil der Mutter 1/16, wenn sie keine Geschwister hat beträgt er 1/8.
Die verstorbene Ehefrau hat noch Geschwister. Diese haben meines Wissens nach aber keinen Pflichtteilanspruch.
Das ist richtig.


Wieso ist der Pflichtteilanspruch der Mutter (1/8 bzw. 1/16) trotzdem von vorhandenen Geschwistern abhängig?
Weil die Geschwister einen Erbanspruch hätten. Der auf die Eltern der Erblasserin entfallende gesetzliche Erbanspruch von 1/4 teilt sich auf in 1/8 für den Vater und 1/8 für die Mutter. Ist der Vater bereits vorverstorben, und hat er außer der verstorbenen Tochter weitere Abkömmlinge, geht sein Achtel auf die Abkömmlinge (=Geschwister der Tochter) über. Der Mutter bleibt in diesem Fall ein Erbteil von 1/8.

Ist der Vater verstorben und es gibt keine weiteren Abkömmlinge, bekommt die Mutter den gesetzlichen Erbteil von 1/4.

Somit hängt die Höhe des Erbteils der Mutter davon ab, ob es Geschwister der verstorbenen Tochter gibt.
Und somit hängt auch die Höhe des Pflichtteils der Mutter davon ab, ob es Geschwister der verstorbenen Tochter gibt, auch wenn die Geschwister selbst keinen Pflichtteilsanspruch haben.
Grüße, Susanne

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