Jugendamt Medikamente

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Froggel
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Re: Jugendamt Medikamente

Beitrag von Froggel » 05.03.19, 20:29

marco trau hat geschrieben:ja ich habe mich damit beschäftigt nur leider sind das alles nur Hypothesen es nicht bewiesen das es diese Krankheit überhaupt gibt
... weil es keine Krankheit ist, sondern eine Störung (im Gehirnstoffwechsel), das wüssten Sie, wenn sie sich ausreichend damit beschäftigt hätten. Diese Störung hat Nachteile, aber auch Vorteile, weil gerade diese Kinder oft auf einem bestimmten Gebiet besonders talentiert sind.
Außenstehende können nur wenig nachvollziehen, wie die Welt für ein AD(H)S-Menschen aussieht, darum versuche ich das immer gern mit dieser Beschreibung:
AD(H)S-Kinder können aus dem Überangebot an von außen an sie herangetragenen Reizen nicht oder nur eingeschränkt die wichtigen Reize herausfiltern, sie bekommen sie alle auf einmal mit. Es wird schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, wenn draußen Autos vorbeifahren, Vögel zwitschern, die Kreide auf der Tafel Geräusche macht, hinter einem Kinder flüstern und ein Mobile im Luftzug wackelt - und dass ein Eselsohr im Zettel ist, ist auch nicht gerade hilfreich, genauso wenig wie der Lehrer, der von einer Ecke des Klassenzimmers in die andere geht. Ein Mensch, der der Norm entspricht, d.h. bei dem der Gehirnstoffwechsel stimmt, weiß klar, was davon er alles ausblenden kann. Das AD(H)S-Kind weiß zwar, auf was es sich konzentrieren soll, schafft das mit dem Ausblenden aber nicht. Das ist dann der Auslöser, warum die einen sich in sich zurückziehen (ADS) oder hyperaktiv werden (ADHS) - beides wirkt wie ein Ventil gegen die Reize.
Man kann mit Medikamenten dagegen angehen, aber diese wirken auch nur begrenzt und können teils starke Nebenwirkungen haben. Oftmals hilft es, Struktur in den Tag zu bringen, das Kind nach vorn zu setzen, wo es weniger sichtbaren Reizen ausgesetzt ist und manchmal eben auch die Ernährungsumstellung. Hilft das alles nicht und leidet das Kind unter seiner Andersartigkeit, sollte eine medikamentöse Behandlung zumindest ins Auge gefasst werden, damit wenigstens der Druck von dem Kind genommen wird.

Es mag ja keinen einzelnen medizinischen Beweis geben, dass es die Störung gibt, aber es gibt jede Menge messbare Werte, die mit denen eines "Normalmenschen" verglichen werden können. Um bei einem Kind eine ADHS-Diagnose machen zu können, sind etliche Test notwendig, u.a. ein IQ-Test, Koordinationstests und eine psychologische Beurteilung, manches Mal auch ein EEG. Ein Test ohne den anderen ist aber nicht aussagekräftig. Bloß weil etwas lediglich durch ein Ausschlussprinzip beurteilt werden kann, heißt das nicht, dass es das nicht gibt :wink:
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winterspaziergang
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Re: Jugendamt Medikamente

Beitrag von winterspaziergang » 06.03.19, 08:03

Froggel hat geschrieben: Man kann mit Medikamenten dagegen angehen, aber diese wirken auch nur begrenzt und können teils starke Nebenwirkungen haben. Oftmals hilft es, Struktur in den Tag zu bringen, das Kind nach vorn zu setzen, wo es weniger sichtbaren Reizen ausgesetzt ist und manchmal eben auch die Ernährungsumstellung.
und je nach Alter des Kindes eine Art Elterntraining.
Hilft das alles nicht und leidet das Kind unter seiner Andersartigkeit, sollte eine medikamentöse Behandlung zumindest ins Auge gefasst werden, damit wenigstens der Druck von dem Kind genommen wird.
Laut Aussagen Betroffener soll nach der Einnahme vieles, was vorher mühsam und doch nur frustrierend versucht wurde, möglich sein, das Gefühl wieder etwas Kontrolle zu haben, wird als positiv wahrgenommen. Das ständige abgelenkt und überflutet werden wird als Belastung empfunden, die wegfällt.
Insofern sollte man wohl, nachdem alles o.g. nur teilweise hilft, die Medikation nicht nur zumindest ins Auge fassen, sondern besser umsetzen.

Dennoch darf man, um beim rechtlichen zu bleiben und zur Schilderung, vermuten, dass das JA nicht allein schon deswegen tätig wird, weil Eltern keine Medikamente geben wollen, lebensgefährliche Zustände mal ausgenommen.

Dieter_Meisenkaiser
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Re: Jugendamt Medikamente

Beitrag von Dieter_Meisenkaiser » 06.03.19, 12:40

Froggel hat geschrieben:
marco trau hat geschrieben:ja ich habe mich damit beschäftigt nur leider sind das alles nur Hypothesen es nicht bewiesen das es diese Krankheit überhaupt gibt
... weil es keine Krankheit ist, sondern eine Störung (im Gehirnstoffwechsel), das wüssten Sie, wenn sie sich ausreichend damit beschäftigt hätten.
Beim Lesen fühlte ich mich sofort an einen Fernsehbeitrag erinnert...

Reporter: Und warum ist Ihre Tochter so dick, Frau Dingenskirchen?

Mutter: Ähm, ja, also, das liegt jedenfalls nicht am Essen, sondern, ähm, sie hat ja so eine Dings-Überfunktion, oder, ähm, -Unterfunktion, weiß ich gerade nicht genau, ähm, von so ner Drüse halt! Und da ist es halt völlig normal, hab ich mal gelesen, dass man dann so dick wird, bei soner Unterfunktion, oder Überfunktion, ähm.

ralph12345
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Re: Jugendamt Medikamente

Beitrag von ralph12345 » 08.03.19, 14:17

ADHS ist das Symptom einer Störung, die von Kinderpsychologen in aufwändigen Tests diagnostiziert wird. Einem Leher, der weder Arzt noch Psychologe ist, darf man getrost die Kompetenz absprechen, diese Diagnose auch nur zu vermuten, dem Jugendamt ebenso. Die Aussagen finde ich frech, das muss man sich nicht bieten lassen. Auch eine Tagesklinik ist da nur beschränkt der richtige Ort, da geht man, soweit ich weiß, hin, nachdem man eine Diagnose hat. Nicht jede Unaufmerksamkeit ist krankhaft, gerade bei Trennungskindern gibt es da mit Sicherheit genug andere Ursachen.

Diagnose ist übrigens schwer, Ausschluß dagegen eher einfach. Ist das Kind zu Hause in der Lage, sich konzentriert über längere Zeit mit etwas zu beschäftigen? Liest es z.B. Bücher? - Wenn ja, dann passt vermutlich nur die Umgebung Schule nicht, der Stoff ist langweilig, die Lehrerin doof. Nicht jeder Kind ist da in der Lage angepasst und artig einfach geduldig und still zu leiden...

aurorashmi
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Re: Jugendamt Medikamente

Beitrag von aurorashmi » 08.03.19, 14:21

ralph12345 hat geschrieben:ADHS ist das Symptom einer Störung, die von Kinderpsychologen in aufwändigen Tests diagnostiziert wird. Einem Leher, der weder Arzt noch Psychologe ist, darf man getrost die Kompetenz absprechen, diese Diagnose auch nur zu vermuten, dem Jugendamt ebenso. Die Aussagen finde ich frech, das muss man sich nicht bieten lassen. Auch eine Tagesklinik ist da nur beschränkt der richtige Ort, da geht man, soweit ich weiß, hin, nachdem man eine Diagnose hat. Nicht jede Unaufmerksamkeit ist krankhaft, gerade bei Trennungskindern gibt es da mit Sicherheit genug andere Ursachen.

Diagnose ist übrigens schwer, Ausschluß dagegen eher einfach. Ist das Kind zu Hause in der Lage, sich konzentriert über längere Zeit mit etwas zu beschäftigen? Liest es z.B. Bücher? - Wenn ja, dann passt vermutlich nur die Umgebung Schule nicht, der Stoff ist langweilig, die Lehrerin doof. Nicht jeder Kind ist da in der Lage angepasst und artig einfach geduldig und still zu leiden...
Ich finde diesen Thread echt schwierig, da so ca. mind. (!) die Hälfte der Geschichte fehlt.

Ein Kind wird nicht in die Tagesklinik geschickt, genauso wenig wird das Jugendamt tätig, und genausowenig werden den Eltern medikamente für das Kind ans herz gelegt, wenn es nur

in der Schule unkonzentriert und ist nicht sitzen geblieben

ist.

Ich würde mich da nie wagen, ein Urteil zu fällen, da die Infos derart spärlich sind, dass im Grunde da niemand hier was mit anfangen kann...
Und was halten Sie als Unbeteiligter vom Thema Intelligenz?

ralph12345
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Re: Jugendamt Medikamente

Beitrag von ralph12345 » 12.03.19, 12:50

aurorashmi hat geschrieben: genausowenig werden den Eltern medikamente für das Kind ans herz gelegt, wenn es nur
in der Schule unkonzentriert und ist nicht sitzen geblieben
ist.
Hab ich genau in der Form schon erlebt. Zitat der Lehrerin: (sinngemäß, nicht wörtlich) "und wenn sie das Kind mal zum Arzt bringen, dass es Medikamente kriegt....?" Da braucht man dann schon ein bisschen Selbstvertrauen, um da gelassen zu bleiben und gegen zu halten. Wem das fehlt, der kommt dann vielleicht auf die Idee, zu fragen, ob die Lehrerin eine Medikation fordern darf. - Nein, darf sie natürlich nicht.

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