Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Soleilala
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Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von Soleilala » 23.03.19, 13:28

Folgender Sachverhalt:

Ein Ehepaar mit klassischer Rollenverteilung (sie: Haushalt und Kinder/er: freiberuflicher Alleinverdiener) kauft ein Haus. Aus steuerlichen Gründen wird die Frau Alleineigentümerin und soll ihrem Mann Arbeitsräume im Haus vermieten („Wiesbadener Modell“).

Nun soll der Scheidungsfall abgesichert werden. Der Ehemann möchte – im Falle eine Trennung – das Geld, dass er größtenteils zum Hauskauf beigesteuert hat, in vollem Umfang zurückerhalten.

Möglichkeiten:
1. Ehevertrag (aufgrund sehr hoher Kosten eher zu vermeiden, außerdem sollen eigentlich keine weiteren Vorkehrungen getroffen werden)
2. Darlehensvertrag (Mann gewährt Frau ein Darlehen für den Hauskauf, das im Scheidungsfall seitens des Mannes unverzüglich gekündigt wird)

Generelle Problematik aus Sicht der Ehefrau: Es besteht eine Zugewinngemeinschaft. Durch das Wiesbadener Modell/Darlehen erwirtschaftet die Frau faktisch den Zugewinn. Tatsächlich ist jedoch der Ehemann der Verdiener. Die Absicherung der Frau, die der Gesetzgeber durch die Zugewinngemeinschaft eigentlich vorsieht, würde somit ausgehebelt. Im Scheidungsfall müsste die Frau somit das Darlehen an den Mann zurückzahlen und ihn zusätzlich – aufgrund ihrer faktischen „Zugewinne“, die tatsächlich jedoch nicht existieren – ausbezahlen.

Zweiter Knackpunkt: Im Falle eines Wertverlustes des Hauses (Immobilienblase etc.) trüge die Ehefrau das Hauptrisiko und müsste dem Ehemann trotzdem den vollen Betrag zurückzahlen. Könnte man hier prozentual arbeiten im Sinne von „Der Mann hat XY % zum Hauskauf beigesteuert und bekommt somit bei Darlehenskündigung XY % des Erlöses, der beim Hausverkauf erzielt wird, zurück?"

Weiterer Sachverhalt: Eine Gütertrennung ist aus Sicht der Ehefrau keine gute Idee, da sie durch die vom Gesetzgeber regulär vorgesehene Zugewinngemeinschaft besser abgesichert wäre.

Was wäre in diesem Fall eine faire Vertragslösung? Gibt es ggf. weitere Möglichkeiten?

Danke vorab für sachdienliche Infos!

SusanneBerlin
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von SusanneBerlin » 23.03.19, 14:15

Hallo,
Die Absicherung der Frau, die der Gesetzgeber durch die Zugewinngemeinschaft eigentlich vorsieht, würde somit ausgehebelt. Im Scheidungsfall müsste die Frau somit das Darlehen an den Mann zurückzahlen und ihn zusätzlich – aufgrund ihrer faktischen „Zugewinne“, die tatsächlich jedoch nicht existieren – ausbezahlen.
Wieso, die Frau ist doch abgesichert. Sie ist doch die Eigentümerin des Hauses. "Faktische Zugewinne die real nicht existieren" gibt es nicht, da haben Sie den Zugewinnausgleich wahrscheinlich falsch verstanden. Oder was meinen Sie damit?

Unabhängig davon, was bei der Zugewinnberechnung herauskäme, halte ich das erdachte Modell nicht für sinnvoll. Denn das was der Mann an Betriebsausgaben hat, ist Einkommen bei der Frau. Die Steuerbelastung wird dadurch m.E. nicht niedriger. Das "Wiesbadener Modell" beruht auf Einsparungen bei der Gewerbesteuer, die beim Gewerbebetrieb anfallen, nicht aber bei Einnahmen aus V+V. Gewerbesteuer zahlt der Freiberufler aber ohnehin nicht. Zudem fällt die Frau u.U. aus der Familienversicherung raus - schon das kann die Steuerersparnis zunichtemachen.
Grüße, Susanne

Soleilala
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von Soleilala » 23.03.19, 16:38

Vielen Dank für die Antwort!

Die Frau ist zwar auf dem Papier Alleineigentümerin des Hauses, im Scheidungsfall würde ihr dies jedoch keinerlei Sicherheit bieten, wenn der Mann – der das Haus zum Großteil finanziert – seinen gesamten Anteil zurückfordert. Dies soll ja vorab – auf Wunsch des Mannes – vertraglich – geregelt werden.

Laut Info eines Notars wäre es so, dass die Zugewinne aufseiten der Frau lägen (zur Hausfinanzierung wird zusätzlich ein Bankdarlehen aufgenommen – von der Frau als Eigentümerin, wobei der Mann bürgt und faktisch die Raten zahlt – liegt der Zugewinn evtl. an diesem Sachverhalt?). Somit hätte sie im Scheidungsfall das Nachsehen. Kann das so stimmen?

winterspaziergang
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von winterspaziergang » 23.03.19, 16:44

Soleilala hat geschrieben:Somit hätte sie im Scheidungsfall das Nachsehen. Kann das so stimmen?
Klingt sehr danach. Sie macht klassisch Haus und Familie und verzichtet komplett auf eine eigene Absicherung, baut kein Vermögen auf, nimmt das Risiko des „Kredits“ auf sich, ermöglicht ihm über die Steuerersparnis weiteres Vermögen, und hat für all das im Falle der Scheidung was?

SusanneBerlin
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von SusanneBerlin » 23.03.19, 16:57

Um das Endvermögen der Frau zu bestimmen, werden die Verbindlichkeiten von den positiven Werten abgezogen.

Beispiel: Immobilienwert 500.000
Vermögen der Frau am Tag der Heirat: 0
Darlehen vom Ehemann: 150.000
Darlehen von der Bank: 350.000
bis jetzt getilgt: 20.000
ergibt bei der Frau Zugewinn von 20.000

Beim Ehemann
Vermögen des Mannes am Tag der Heirat: 0
Darlehensforderung gegen die Frau: 150.000
ergibt beim Mann einen Zugewinn von 150.000

Zugewinnausgleich: der Mann muss der Frau 65.000 bezahlen. Sie hat nach dem Zugewinnausgleich immer noch 85.000 Schulden bei ihm.

Die Frau hat dann also das Haus im Wert von 500.000, 85.000€ Schulden beim Ex-Mann und 350.000€ Schulden bei der Bank.
Wenn die Frau das Haus wieder für 500.000€ verkaufen kann und die Darlehen an den Ehemann zurückzahlt, hat sie theoretisch ein plus von 65.000, das geht aber für die Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank größtenteils drauf.

Somit hätte sie im Scheidungsfall das Nachsehen. Kann das so stimmen?
1. Das Szenario sowieso unrealistisch, weil keine Bank einer Hausfrau ohne eigenes Einkommen ein Darlehen geben würde, auch nicht mit dem Ehemann als Bürgen.

2. Würde ich auch jedem der kein Einkommen hat dringend davon abraten ein Darlehen in diesen Größenordnungen aufzunehmen oder auch nur mit zu unterschreiben. Wie schon gemutmaßt, bringt es der Frau nur ein Risiko aber keinen Vorteil.
Grüße, Susanne

Soleilala
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von Soleilala » 23.03.19, 19:51

winterspaziergang hat geschrieben:1. Das Szenario sowieso unrealistisch, weil keine Bank einer Hausfrau ohne eigenes Einkommen ein Darlehen geben würde, auch nicht mit dem Ehemann als Bürgen.
Doch, das Darlehen wird gewährt, da es ja das Haus als Sicherheit gibt. Des Weiteren handelt es sich um ein verhältnismäßig kleines Darlehen, das relativ schnell abbezahlt wäre (durch den Mann, der bürgt).

Gibt es Ideen, wie man den Sachverhalt vertraglich fair regeln könnte für den Fall einer Scheidung? Quasi so, dass der Mann zwar seinen Anteil am Haus einfordern kann, aber die Frau trotzdem Anspruch auf Zugewinnausgleich hat, der ja tatsächlich aufseiten des Mannes erwirtschaftet wird?

khmlev
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von khmlev » 23.03.19, 20:38

Das Darlehen dürfte nicht gewährt werden, weil die Frau die Tilgung nicht leisten kann. Diese wird von Anfang an vom Bürgen geleistet. Über Eigenkapital verfügt die Ehefrau auch nicht und ist hier ebenfalls auf ehebedingte Zuwendungen des Ehemannes angewiesen, die dieser im Falle der Scheidung zurückfordern möchte. Damit taugt die Immobilie als Sicherheit für die Bank nichts.

Der Ehefrau ist von dieser, nur auf den Vorteil des Mannes bedachten Konstruktion ohne ehevertragliche Rückversicherung dringend abzuraten.
Gruß
khmlev
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von Soleilala » 23.03.19, 22:17

Vielen Dank für die Antworten!
khmlev hat geschrieben:Der Ehefrau ist von dieser, nur auf den Vorteil des Mannes bedachten Konstruktion ohne ehevertragliche Rückversicherung dringend abzuraten.
Was müsste denn ganz grob drinstehen in einem Ehevertrag, um die Ehefrau abzusichern?

SusanneBerlin
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von SusanneBerlin » 23.03.19, 22:29

Was müsste denn ganz grob drinstehen in einem Ehevertrag, um die Ehefrau abzusichern?
Da müsste das zugesichert sein, was sie eben haben möchte als Absicherung. Z.B. ab rechtskräftiger Scheidung 10 Jahre lang 2.000 € monatlicher Unterhalt wäre doch eine nette Absicherung. Oder dass ab Beurkundung des Ehevertrags 200€ monatlich in eine private Rentenversicherung zugunsten der Ehefrau eingezahlt wird und bei der Scheidung auf einen Kapitalwert von 50.000€ aufgefüllt wird. Eben irgendwas das geeignet ist, die Ehefrau abzusichern.
Grüße, Susanne

SusanneBerlin
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von SusanneBerlin » 24.03.19, 09:30

Bei einer Hausfrauenehe und der Mann ist in einem Angestelltenverhältnis, bekommt die Frau im Fall einer Scheidung wenigstens die hälfigen Rentenpunkte (und Witwenrente beim Tod des Ehemanns).

Wenn der Ehemann selbständig ist und keine Pflichtversicherung greift (gesetzliche RV oder Berufsständisches Versorgungswerk) dann muss man sich privat für das Alter absichern. Schließt man auch keine privaten Rentenversicherungen ab, dann gibt es im Scheidungsfall auch keinen Versorgungsausgleich und je nach Lebensalter wird es schwer bis unmöglich, bis zum Rentenalter noch genug eigene Rentenanwartschaft aufzubauen um mit der Rente über Sozialhilfeniveau zu liegen.

Als Ehepartnerin eines Selbständigen, die wegen dem nicht vorhandenen Beschäftigungsverhältnis keine eigenen Rentenpunkte aufbaut, sollte man also ein Auge darauf haben, dass man für das Alter abgesichert ist, denn im Fall des Todes des Ehepartners oder im Scheidungsfall hat man im worst case keine eigene Rentenansprüche.

In dem im Eigangsbeitrag vorgestellten Szenario ist die Absicherung im Scheidungsfall einseitig zum Vorteil des Ehemannes ausgerichtet: die Immobilie ist aus steuerlichen Gründen "auf dem Papier" im Eigentum der Ehefrau, im Scheidungsfall bekommt der Ehemann die von ihm geleistete finanzielle Einlage zurück.

Denn nach der Info, dass das Bankdarlehen der geringere Anteil an der Finanzierung ist und der weitaus größere Teil aus den Eigenmitteln des Ehemannes stamnt, ist doch klar, was im Scheidungsfall passieren wird: Der Ehemann übernimmt das Haus und die Frau steht mit nichts da.
Grüße, Susanne

winterspaziergang
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von winterspaziergang » 24.03.19, 11:48

Soleilala hat geschrieben:
Gibt es Ideen, wie man den Sachverhalt vertraglich fair regeln könnte für den Fall einer Scheidung? Quasi so, dass der Mann zwar seinen Anteil am Haus einfordern kann, aber die Frau trotzdem Anspruch auf Zugewinnausgleich hat, der ja tatsächlich aufseiten des Mannes erwirtschaftet wird?
Der erwirtschaftete Zugewinn ist sowieso beider Zugewinn. Er kann ihn ja trotz Familie nur erwirtschaften, wenn sie ihm den Alltag und die Kinder abnimmt. Das ist ja die Idee dieser Art des Zugewinns, dass beide fair den Ausgleich haben.
Das wird in diesem Konstrukt nicht funktionieren.
Rest siehe vorherige Antworten.

Soleilala
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Re: Hauskauf Wiesbadener Modell Absicherung Scheidungsfall

Beitrag von Soleilala » 24.03.19, 19:52

Vielen Dank für die sehr hilf- und aufschlussreichen Antworten!

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