WEG Wasserschaden Mietausfall

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MarQi
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WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von MarQi » 12.03.19, 20:59

Hallo zusammen,

E ist Eigentümer einer Wohnung in einer WEG. In einer Wohnung zwei Etagen über Es Wohnung ereignete sich ein Wasserschaden (den E nicht zu Verschulden hat). Zur Beseitigung des Schadens hat die Hausverwaltung H eine Firma F beauftragt. F musste in Es Wohnung für vier Wochen die Küche komplett sperren, da sie den Versorgungsschacht öffneten und dort Trockungsgeräte aufstellten.
E hatte dadurch einen Mietausfall in Höhe einer Monatsmiete, da sein Mieter die Miete um 100% minderte. Laut H übernimmt die Versicherung nur die Reparatur nicht jedoch den Mietausfall. Vom wem kann sich E den Mietausfall erstatten lassen? Haftet hierfür ggf. die Gemeinschaft oder müsste die Versicherung das nicht doch bezahlen?

webmaster76
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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von webmaster76 » 13.03.19, 08:05

MarQi hat geschrieben:In einer Wohnung zwei Etagen über Es Wohnung ereignete sich ein Wasserschaden
Kam das Wasser aus einem Fallrohr (Gemeinschaftseigentum) oder tatsächlich aus einem Rohr, das zu einer Wohnung gehört (Sondereigentum)?

Mogli
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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von Mogli » 13.03.19, 12:26

MarQi hat geschrieben: E hatte dadurch einen Mietausfall in Höhe einer Monatsmiete, da sein Mieter die Miete um 100% minderte. Laut H übernimmt die Versicherung nur die Reparatur nicht jedoch den Mietausfall.
Das finde ich sehr merkwürdig. In allen marktüblichen Gebäude-Versicherungsbedingungen ist die Mietausfallversicherung eingeschlossen.

Es könnte allenfalls sein, dass der Versicherer nicht den vollen Betrag (100% Kürzung) übernimmt, wenn er der Ansicht ist, dass nur eine anteilige Mietkürzung angemessen wäre. Dann würde er nur anteilig zahlen. Müsste man im Einzelfall prüfen.

webmaster76 hat geschrieben:Kam das Wasser aus einem Fallrohr (Gemeinschaftseigentum) oder tatsächlich aus einem Rohr, das zu einer Wohnung gehört (Sondereigentum)?
Das spielt für den Versicherungsschutz der Wohngebäudeversicherung keine Rolle.
Grüße, Mogli
********************
Diese Auskunft ist kostenlos, aber hoffentlich nicht umsonst.

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von Verpflichteter » 13.03.19, 22:44

Hallo,

wie Mogli schreibt, müsste man die Police kennen.

Wenn der Mietausfall nicht oder nur teilweise abgedeckt ist, kann sich E mit Mieter streiten.

E könnte sich von H Schadensfall-Nummer geben lassen und die Sache selbst mit der Versicherung regeln.

MfG
uwe

hambre
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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von hambre » 13.03.19, 23:20

Haftet hierfür ggf. die Gemeinschaft oder müsste die Versicherung das nicht doch bezahlen?
Die Gemeinschaft haftet nur bei Verschulden, das im Regelfall bei einem Wasserrohrbruch nicht vorliegt.
Die Versicherung muss nur dann zahlen, wenn der Mietausfall im Versicherungsumfang enthalten ist.

Sollten beide nicht zahlen müssen, so bleibt E auf seinem Schaden sitzen.

Eine Mietminderung in Höhe von 100% ist jedoch überzogen. Bei komplett unbenutzbarer Küche ist eine Mietminderung von 50% angemessen. Wenn das Wasser abgestellt ist, dann kann aber nur die Spüle und ein ggf. vorhandener Geschirrspüler nicht genutzt werden. Im Übrigen ist die Küche weiter nutzbar. Daher würde ich max. eine Mietminderung in Höhe von 20-30% für angemessen halten.

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von Froggel » 14.03.19, 00:53

hambre hat geschrieben:Eine Mietminderung in Höhe von 100% ist jedoch überzogen. Bei komplett unbenutzbarer Küche ist eine Mietminderung von 50% angemessen.
Das sehen einige Gerichte aber anders. Das LG Itzehoe hatte dem Mieter bereits 100% Mietminderung zugesichert, weil die vertraglich vereinbarte Einbauküche fehlte, das AG Berlin-Neukölln hat 100% Mietminderung geurteilt bei komplettem Ausfall der Elektrik für Warmwasser, Beleuchtung, Küche und sonstiges. So unwahrscheinlich ist das also nicht. Und da die Küche laut TE gesperrt wurde, also für den Mieter nicht nutzbar war, scheint die Mietminderung von 100% gerechtfertigt zu sein. Zur Erinnerung:
MarQi hat geschrieben:F musste in Es Wohnung für vier Wochen die Küche komplett sperren, da sie den Versorgungsschacht öffneten und dort Trockungsgeräte aufstellten.
Ich bin kein Jurist.
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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von webmaster76 » 14.03.19, 06:25

Nach § 9 Nr. 1 VGB 2010 (1914) muss die Gebäudeversicherung den Mietausfall ersetzen, siehe

https://wohngebaeudeversicherung.info/v ... -mietwert/

Wenn denn eine Gebäudeversicherung besteht und der Schaden durch diese abgedeckt ist. Hat der Bewohner zwei Etagen darüber jedoch den Wasserschaden selbst verursacht (irgendwelchen Müll im Klo heruntergespült bis das Rohr kaputt gegangen ist oder die Waschmaschine unbeaufsichtigt laufen lassen und dort ist etwas passiert), könnte es sich um einen Haftpflichtschaden handeln.

Daher war ja meine Frage, wer den Schaden verursacht hat bzw. wo dieser entstanden ist. Je nachdem müsste sich der E bei H nach der Gebäudeversicherung erkundigen und sich mit seiner Forderung an diese wenden oder über den Nachbarn an dessen Haftpflichtversicherung.

Dass der H erst einmal versucht den E abzuwimmeln könnte damit zusammenhängen, dass er seinen Aufwand minimieren möchte...

Eine Mietminderung von 100% könnte im beschriebenen Fall tatsächlich möglich sein. Wenn F die Küche auseinander nehmen und Trocknungsgeräte aufstellen muss (die 24h am Tag laufen und die Luftfeuchtigkeit auf unter 30% bringen) ist ein Bewohnen der Wohnung nicht mehr möglich. Die Dinger sind so laut wie kleine Düsentriebwerke, den Spaß hatte ich schon einmal...

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von MarQi1st » 27.03.19, 15:06

E hat inzwischen einen Großteil des Mietausfalls von der Versicherung erstattet bekommen. Berücksichtigt wurden die Grundmiete sowie die kalten Betriebskosten. Die Heizkosten wurden nicht erstattet, da „bei der Erstattung des Mietausfalls können nur die fortlaufenden Kosten berücksichtigt werden, die Vorauszahlung für die Wärmeversorgung wird daher nicht erstattet.“

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von MarQi1st » 27.03.19, 18:48

Was sagt ihr zur Begründung? Die Vorauszahlung für die Heizung sind doch genauso fortlaufend wie alle anderen auch oder?

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von Verpflichteter » 27.03.19, 19:26

Wurde denn die Wohnung wärend der Trocknung beheizt?

MfG
uwe

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von lottchen » 27.03.19, 21:54

Das spielt doch gar keine Rolle. Vorauszahlungen dafür werden doch geleistet. Also meine Versicherung bezahlt auch die Heizkosten. Auf die Idee diese aus 100% Mietminderung herauszurechnen ist sie jedenfalls noch nicht gekommen.

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von webmaster76 » 28.03.19, 12:53

Ich finde die Begründung abenteuerlich. Selbst wenn die Versicherung argumentiert, dass eine unbewohnbare Wohnung bei der aktuellen Witterung nicht beheizt werden muss, gibt es die §§7-9 der HeizkostenV wonach 30-50% der gesamten Heizkosten auf die Wohnfläche abgerechnet wird. D.h. selbst bei komplett abgestellten Heizkörpern muss der Vermieter einen Teil der Gesamtheizkosten tragen.
Der Vermieter könnte ja mit dieser Begründung der Versicherung vorschlagen, dass man sich auf 50% der Vorauszahlungen einigt.

Ein Sache fällt mir zu dem Thema noch ein: wer bezahlt denn den Strom für die Trockengeräte? Wenn ein paar von denen 10-14 Tage durchlaufen, kommt schnell ein hübsches Sümmchen zusammen...

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von lottchen » 28.03.19, 14:21

webmaster76 hat geschrieben: wer bezahlt denn den Strom für die Trockengeräte?
Üblicherweise der Mieter und der bekommt die Kosten von der Versicherung erstattet (oder vom Vermieter der das Geld von der Versicherung bekommt)...

Wenn der Mieter das Recht hat die Warmmiete zu mindern (und dazu gibt es ja nun BGH-Urteile), dann muss die Versicherung auch die komplette geminderte Warmmiete ausgleichen und nicht nur einen Teil davon. Ich würde mir den Abzug nicht gefallen lassen. Steht sowas in den Versicherungsbedingungen drinnen?

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von webmaster76 » 28.03.19, 15:38

lottchen hat geschrieben:Üblicherweise der Mieter und der bekommt die Kosten von der Versicherung erstattet (oder vom Vermieter der das Geld von der Versicherung bekommt)...
Das war mehr eine Frage, wie dies im beschriebenen fiktiven Fall gehandhabt wird/wurde :wink: Sprich, dass der E an diesen Kostenpunkt auch noch denkt...

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Re: WEG Wasserschaden Mietausfall

Beitrag von MarQi1st » 29.03.19, 00:52

E hat für die Stromkosten bereits ca. 140 EUR erhalten und diese an den Mieter weitergeleitet. Ist schon ein paar Monate her und geschah völlig ohne großes Theater.

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