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recht.de • Thema anzeigen - Abändern von Checklisten erlaubt?
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 Betreff des Beitrags: Abändern von Checklisten erlaubt?
BeitragVerfasst: 15.06.12, 15:08 
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Hallo zusammen.

Ich bin neu hier im Forum, UL-Pilot und PPL-Schüler und habe auch gleich eine Frage:

Ist es im Privatpilotenbereich zulässig, abgeänderte Checklisten zu benutzen, d.h. andere als im Betriebshandbuch abgedruckt?

Hintergrund ist, daß mein Fluglehrer mir gerne die verkürzten Checklisten einer größeren FTO, bei der er auch auf dem gleichen Typ schult, ans Herz legen möchte. Der Verein, bei dem ich die Maschine chartere, benutzt aber eigentlich die Original-Checklisten aus dem Handbuch.

Ist man im Privatpilotenbereich überhaupt verpflichtet, Checklisten zu benutzen? Könnte man theoretisch auch gar keine oder komplett eigene Checklisten benutzen? Große Airlines benutzen ja auch teilweise ganz eigene Verfahren und Checklisten.

Wie ist denn da die Rechtslage?


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BeitragVerfasst: 16.06.12, 21:43 
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Zunächst gilt § 27 der Luftbetriebsordnung (LuftBO): "Der Luftfahrzeugführer hat vor, bei und nach dem Flug sowie in Notfällen anhand von Klarlisten die Kontrollen vorzunehmen, die für den sicheren Betrieb des Luftfahrzeuges erforderlich sind." Ein Verstoß gegen die oben genannte Vorschrift ist eine Ordnungswidrigkeit.

Zu Deinen Fragen hier die Antwort eines Rechtsanwalts und Piloten aus dem Luftrecht, Dr. Roland Winkler:
"Die Luftbetriebsordnung ist eine Rechtsvorschrift zur Sicherung des Luftverkehrs im Sinne des § 315a Abs. 1 Ziffer 2 Strafgesetzbuch, und das heißt, dass Verstöße gegen sie mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden können – wobei eine so hohe Strafe im Falle einer nicht gelesenen Checkliste sicherlich theoretisch anmutet. Realistisch dagegen ist, dass es ein Kaskoversicherer im Schadensfall als grobe Fahrlässigkeit auslegen kann (und wird), wenn ein Pilot nachweislich keine Checkliste benutzt hat. Auch nach neuer Rechtslage hat eine Versicherung nämlich einen Regressanspruch gegen den Schädiger, sobald grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Nach der neuen Regelung des § 86 Absatz 2 Satz 3 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) gilt zwar nicht mehr das "Alles-oder-nichts"-Prinzip, die Kürzung der Versicherungsleistung muss vielmehr im Verhältnis zur Schwere des Verschuldens stehen. Allerdings muss der Pilot den Beweis erbringen, dass eine grobe Fahrlässigkeit nicht vorgelegen hat, was erfahrungsgemäß nur sehr schwer gelingt.

Etwas anders gelagert ist der Fall, wenn der Pilot eine Checkliste nicht vollständig abgearbeitet hat. Im Schadensfall wird die Versicherung dann nicht von vornherein von grober Fahrlässigkeit ausgehen und entsprechend normal regulieren.

Von diesen juristischen und formellen Dingen einmal abgesehen tut man sich natürlich selbst keinen Gefallen damit, Checklisten komplett zu ignorieren – erst recht dann, wenn man nur in unregelmäßigen Abständen fliegt. Die Hersteller von Luftfahrzeugen haben sich schließlich etwas dabei gedacht, bestimmte Punkte in einer gewissen Reihenfolge abzuhaken. Immerhin gibt es durchaus Spielraum für eigene Vorlieben, wie in fliegermagazin #2/2010 erklärt (Praxis Fliegen: "Wissen, wo’s steht").

Sinnvoll kann es sein, sich auf Grundlage der Betriebsanleitung eine individuelle Checkliste anzufertigen, ergänzt um Punkte aus dem persönlichen Erfahrungsschatz mit dem jeweiligen Muster. So eine Liste darf natürlich nicht unerreichbar im Gepäckfach liegen. Bei wenig komplexen ULs ist es durchaus üblich, eine Mini-Version als Aufkleber am Panel zu haben. Akribisch die Checkliste abzuarbeiten, ist jedenfalls kein Zeichen von Schwäche. Dumm ist vielmehr, wer es nicht tut.

(aus fliegermagazin 02/2011)

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[i]Von Seiten der NSA heißt es, man verwende die Software nicht als Angriffsinstrument, sondern als "aktive Verteidigung"[/i]


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BeitragVerfasst: 17.06.12, 12:40 
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Beiträge: 2

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Beim Anwenden einer modifizierten Checkliste auf der Grundlage des Betriebshandbuches, wie sie von einer anerkannten FTO genutzt wird, scheint es dann ja keine Probleme zu geben, wenn ich das richtig interpretiere. :)


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BeitragVerfasst: 17.06.12, 22:27 
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Registriert: 15.04.05, 08:36
Beiträge: 1262
Sehe ich auch so. Ich mache in unserer Schule die Checklisten auch selbst (auf Grundlage des Betriebshandbuchs), schreibe aber an einer passenden Stelle in die Checkliste, dass die einzig verbindliche Checkliste die des Herstellers im Flughandbuch ist. Damit habe ich mich hinreichend abgesichert
Auf Nachfrage hatte unsere Bezirksregierung als Luftfahrtbehörde keine Bedenken gegen selbst gestrickte Checklisten, die sollten nur durch den Ausbildungsleiter einmal geprüft werden.

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