Einschulungsuntersuchung

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webmaster76
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Einschulungsuntersuchung

Beitrag von webmaster76 » 24.10.18, 06:01

Hi @all,

ein Kind K (4 Jahre) geht in Baden-Württemberg in eine Kita. Dort wird den Eltern ein Fragebogen des zuständigen Gesundheitsamts übergeben mit der Bitte, diesen auszufüllen. Weiter wird nichts mitgeteilt.

Da Eltern E in der Zeit viel "auf dem Tisch" haben, bleibt der Fragebogen erst einmal auf dem Stapel liegen.

Zwei Wochen später wird den Eltern ein Schreiben mit einer Einladung vom Gesundheitsamt durch die Kita in die Hand gedrückt. Man solle an Tag X um 11:00 Uhr mit Kind(!) erscheinen, da nach Einsicht in die Unterlagen weitere Beratungen/Untersuchungen nötig wären. Da die Eltern beide berufstätig sind und in 2018 keinen Urlaub mehr haben, ist es nicht möglich, einfach mal so frei zu machen um morgens mit Kind beim Amt anzutanzen.

Frage: besteht hier überhaupt die Pflicht zur "Mitarbeit"? Es geht z.B. um ein nicht vorgelegtes Impfbuch. Es wurden natürlich alle Impfungen erledigt, aber rein rechtlich besteht doch in Deutschland gar keine Impfpflicht... Müssen die Eltern der Einladung folgen oder ist das nur ein nettes Angebot? Was, wenn die Eltern die noch fehlenden Unterlagen in Kopie an das Gesundheitsamt schicken? Reicht das aus oder kann das Gesundheitsamt dennoch einen Termin vor Ort verlangen nur um die Unterlagen einzusehen?
Das Kind hat keine Auffälligkeiten in der Gesundheit, in der Entwicklung oder im Verhalten.

ktown
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Re: Einschulungsuntersuchung

Beitrag von ktown » 24.10.18, 06:40

Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

webmaster76
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Re: Einschulungsuntersuchung

Beitrag von webmaster76 » 24.10.18, 07:02

Diese Links hatte ich auch schon gefunden. Aus diesen geht für mich aber nicht hervor, zu was Eltern tatsächlich rechtlich verpflichtet sind.

In diesem fiktiven Fall ist Fakt:
1. die Eltern haben (freiwillig) den Fragebogen ausgefüllt, er liegt dem Gesundheitsamt vor
2. die Eltern haben aufgrund der beschriebenen Ereignisse das Impfbuch in Kopie an das Gesundheitsamt geschickt
3. die Eltern haben aufgrund der beschriebenen Ereignisse das U-Heft in Kopie an das Gesundheitsamt geschickt

Damit liegen dem Gesundheitsamt alle relevanten Dokumente vor. Sind die Eltern damit rechtlich verpflichtet, an einem Termin beim Gesundheitsamt vor Ort (zu sehr ungünstigen Zeiten) teilzunehmen?

Schließlich ist immer nur die Rede von "falls erforderlich, empfiehlt..." usw. Eine Empfehlung ist keine Anordnung.

winterspaziergang
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Re: Einschulungsuntersuchung

Beitrag von winterspaziergang » 24.10.18, 07:53

webmaster76 hat geschrieben: In diesem fiktiven Fall ist Fakt:
1. die Eltern haben (freiwillig) den Fragebogen ausgefüllt, er liegt dem Gesundheitsamt vor
:?: wozu dies:
webmaster76 hat geschrieben:Da Eltern E in der Zeit viel "auf dem Tisch" haben, bleibt der Fragebogen erst einmal auf dem Stapel liegen.
ist das
webmaster76 hat geschrieben:Müssen die Eltern der Einladung folgen oder ist das nur ein nettes Angebot? Was, wenn die Eltern die noch fehlenden Unterlagen in Kopie an das Gesundheitsamt schicken? Reicht das aus oder kann das Gesundheitsamt dennoch einen Termin vor Ort verlangen nur um die Unterlagen einzusehen?
Das Kind hat keine Auffälligkeiten in der Gesundheit, in der Entwicklung oder im Verhalten.
....
Damit liegen dem Gesundheitsamt alle relevanten Dokumente vor. Sind die Eltern damit rechtlich verpflichtet, an einem Termin beim Gesundheitsamt vor Ort (zu sehr ungünstigen Zeiten) teilzunehmen?
... lediglich eine theoretische Frage zur Diskussion oder liegt ein akuter praktischer Fall zugrunde?
:arrow: in diesem Fall besteht rechtlich die Möglichkeit beim Gesundheitsamt nachzufragen, Einzelheiten des persönlichen Falls zu nennen, um die Frage zu klären.
webmaster76 hat geschrieben:Da die Eltern beide berufstätig sind und in 2018 keinen Urlaub mehr haben, ist es nicht möglich, einfach mal so frei zu machen um morgens mit Kind beim Amt anzutanzen.
Falls eine Verpflichtung oder sonstige Erfordernis besteht, kann ein Elternteil mit dem Kind "vortanzen" und danach wieder zurück zum Arbeitsplatz tanzen. Das dürfte arbeitsrechtlich abgedeckt sein.

Kurt Knitz
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Re: Einschulungsuntersuchung

Beitrag von Kurt Knitz » 24.10.18, 07:59

Hallo Webmaster76,

die Organisation der Einschulungsuntersuchung in BW scheint immer noch recht arrogant obrigkeitsstaatlich zu sein: Link beim Landesdatenschutzbeauftragten.

Eine Pflicht zum Vorlegen des Impfpasses ist jedoch auch keine Impfpflicht.

Wenn sich Behörden und Eltern stur stellen, dann erhält das Kind nicht die Aufmerksamkeit, die es bräuchte. Kinder entwickeln sich sehr unterschiedlich, bei der Untersuchung im Alter von 4 Jahren geht es auch um die Sprachentwicklung. Die Veranlagung zu einer Lese-Rechtschreibschwäche kann anscheinend schon vor dem Lesenlernen anhand von Sprachtests vermutet werden und es können dann spezielle Sprachfördermaßnahmen erfolgen.

In dem ersten Link steht, dass die erste Untersuchung durch eine medizinische Assistentin im Kindergarten erfolgt. Möglicherweise ist die Ankündigung dafür den Eltern auch entgangen und sie haben keine Gelegenheit gefunden, mit den Erzieherinnen über das Ergebnis zu reden?

Die Schilderungen machen nicht den Eindruck, als ob die Eltern überhaupt wissen, welche Anhaltspunkte bisher gefunden wurden, dass weitere Untersuchungen notwendig sind. Wenn die ärztliche Untersuchung beim Gesundheitsamt wirklich notwendig wäre, könnte ein Elternteil dafür wie bei einer schweren Erkrankung des Kindes von der Arbeit freigestellt werden.

Die Eltern sollten also über die Erzieherinnen und das Gesundheitsamt zunächst herausfinden, welche Anhaltspunkte für die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen es gibt und welche Unterstützungsmaßnahmen ggf. in Frage kommen könnten, wenn die ärztliche Untersuchung ergeben sollte, dass da etwas sinnvoll wäre.

Schöne Grüße
Kurt
Zuletzt geändert von Kurt Knitz am 24.10.18, 08:32, insgesamt 3-mal geändert.
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

Kurt Knitz
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Re: Einschulungsuntersuchung

Beitrag von Kurt Knitz » 24.10.18, 08:05

winterspaziergang hat geschrieben: :?: wozu dies:
(...)
ist das
(...)
... lediglich eine theoretische Frage zur Diskussion oder liegt ein akuter praktischer Fall zugrunde?
Sie sind lange genug dabei um zu wissen, dass wir auch bei Schilderungen aus der Realität hier immer nur über die allgemeine Rechtslage diskutieren, um das Forum nicht dem Vorwurf unerlaubter persönlicher Rechtsberatung auszusetzen.

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