Vorschuss Strafverfahren

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Lotus100
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Vorschuss Strafverfahren

Beitrag von Lotus100 » 15.06.19, 20:39

Mandant geht zu einen Anwalt wegen Sachbeschädigung und der Anwalt fordert einen Vorschuss von 300Euro, jetzt liegen die Akten beim Anwalt und er möchte einen weiteren Vorschuss von 300Euro.

Ist das nicht ein wenig viel bis zu dem Zeitpunkt wo erst die Akten beim Anwalt liegen?

Warum verlangt man gleich am Anfang einen Vorschuss von 300Euro, obwohl der Anwalt noch gar nicht weiß wie es weitergeht wenn er die Akten noch gar nicht hatte?

ExDevil67
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Re: Vorschuss Strafverfahren

Beitrag von ExDevil67 » 15.06.19, 20:58

Was wurde denn zum Thema Vergütung mit dem Anwalt vereinbart?
Und liegt die Akte jetzt nur beim Anwalt oder hat er sie schon gelesen?

Je nach Umfang der Akte und vereinbartem Stundensatz könnten die ersten 300 € schon für das Lesen der Akte verbraucht sein.

Lotus100
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Re: Vorschuss Strafverfahren

Beitrag von Lotus100 » 15.06.19, 21:10

Gelesen hat er die schon, da man ja jetzt einen zweiten Vorschuss zahlen soll beim nächsten Termin.

Ich verstehe nur nicht, wieso er gleich am Anfang 300Euro verlangt hat, wobei es da nur um Anforderung der Akten ging, da wußte er doch noch gar nicht was drin steht.

Ich dachte immer die Kosten für Akteneinsicht belaufen sich bei 30-50Euro was ich so im Internet gelesen habe.

Eine extra Vereinbarung wurde nicht getroffen, da man davon ausging, das das alles so richtig ist.

Was komisch vorkommt, das er in dem neuen Brief zum Termin für die Aktenbesprechung nochmal 300Euro Vorschuss halt will und im letzten Satz steht sinngemäß" Wir bitten um zügige Erledigung" Das hört sich so an, als wenn er nur das Geld sammelt.

Nordlicht14
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Re: Vorschuss Strafverfahren

Beitrag von Nordlicht14 » 16.06.19, 01:04

Alles richtig.

Wenn er lediglich nur nach dem RVG abrechnet, sind bis hierhin rund 650,- bis 700,- je nach Menge der Fotokopien der Akte an Gebühren (Grundgebühr + Verfahrensgebühr) bereits entstanden und die darf er gesetzlich und sollte er auch unbedingt, da üblich und nötig, als Vorschuss vereinnahmen. Er wird ja eh am Ende eine Schlussrechnung fertigen, in der alle Vorschüsse angerechnet werden.

Für die Akteneinsicht entstehen nicht nur lediglich nur 50€ an Gebühren nach RVG, sowas gibt es nicht, das ist völliger Mumpitz (da gibt es nur hier und da legal-Tech-Billigdumpuing-Angebote, die lediglich dazu dienen, dass danach das Vollmandat angeworben und gefischt werden soll bzw bekommt man ansonsten andernfalls ohne jegliches Lesen und Auswerten oder Beratung die Kopie der Akte zugesendet und kann es dann selbst auswerten, was davon rechtlich zu halten ist und welche Einlassung man nun an die StA dann selbst fertigt). Es hat offenbar ja bereits erstes Beratungsgespräch stattgefunden, plus Einholung der Ermittlungsakte, und dafür wird vor dem Antrag auf Akteneinsicht selbstverständlich nach § 9 RVG immer erst der Vorschuss herein genommen, der ohne weiteres nach RVG bis dahin bei zwischen 450 und 650 zuzüglich der gesetzlichen Auslagen für die Fotokopien der Ermittlungsakte liegt (Grundgebühr und Verfahrensgebühr plus Fotokopierkosten). Die Arbeit ist nicht nur der Antrag an die StA auf Akteneinsicht mit Begründung, sondern auch bei deren Eintreffen, auch dann diese noch sogar zu lesen, zudem sodann auch noch: diese rechtlich auszuwerten, ggf Rechtsprechungsprüfung, welche Taktik man nun dem Mandanten vorschlägt.

Zudem ist ein Anwalt völlig frei darin, auf welcher Höhe er den Vorschuss verlangt: er kann, nicht muss, ihn nach RVG berechnen mit allen im Mandat bis zu dessen Abschluss zu erwartenden Gebühren (nicht nur den bis dahin entstandenen, sondern allen noch zu erwartenden, denn jeder Mandant ist in jedem Mandat immer vorleistungspflichtig mit dem Honorar) und hätte dann hier auch gleich 870-1.000 verlangen können, die meist bei Verfahren dieser Art bis Abschluss durch gerichtliche Entscheidung oder vorherige Einstellung anfallen können zumindest, oder eben kann jeder Anwalt auch wie hier eine pauschale beliebige Summe gerundet verlangen, und dann später verrechnen.

Es gibt nichts zu beanstanden an diesen recht mässigen und sehr zurück haltenden Vorschüssen; er hätte auch gleich 850-1.000 Vorschuss hereinnehmen können, was zudem üblich ist, die gesamten auf jeden Fall zu erwartenden Gebühren vorschüssig anzufordern.

winterspaziergang
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Re: Vorschuss Strafverfahren

Beitrag von winterspaziergang » 16.06.19, 07:50

Lotus100 hat geschrieben:
15.06.19, 21:10
Warum verlangt man gleich am Anfang einen Vorschuss von 300Euro, obwohl der Anwalt noch gar nicht weiß wie es weitergeht wenn er die Akten noch gar nicht hatte?
weil dies eine Summe ist, die als Honorar so oder so erhoben werden wird, ganz egal, was noch in den Akten steht
Lotus100 hat geschrieben:
15.06.19, 21:10
Ich dachte immer die Kosten für Akteneinsicht belaufen sich bei 30-50Euro was ich so im Internet gelesen habe.
Für 30 Euro steht kein Anwalt morgens auf. Die 50 Euro sind vielleicht irgendein Posten, der im Gesamthonorar enthalten ist.
Lotus100 hat geschrieben:
15.06.19, 21:10
Was komisch vorkommt, das er in dem neuen Brief zum Termin für die Aktenbesprechung nochmal 300Euro Vorschuss halt will und im letzten Satz steht sinngemäß" Wir bitten um zügige Erledigung" Das hört sich so an, als wenn er nur das Geld sammelt.
Daran ist nichts komisch. Der Anwalt weiß, dass solche Fragen ("der hat nix gemacht und will gleich Geld?!") regelmäßig auftauchen und um die Zahlungsmoral einiger Menschen.

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