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recht.de • Thema anzeigen - Webprogrammierer ändert Serverpasswörter strafbar?
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BeitragVerfasst: 19.05.17, 21:00 
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Hall0 &
Folgender fiktiver Fall:

Webunternehmen (X) lässt von einem Webprogrammierer (P) Teile ihrer Internetexistenz überarbeiten... Leider kommt es mit der Zeit zu Unstimmigkeiten zwischen X und P, worauf X die weitere Bezahlung verweigert. (es wird nur ca. die hälfte gezahlt) Webunternehmen X ist der Meinung, dass die Rechnung viel zu hoch sei, und die Zielanforderungen nicht annähernd erfüllt wurden, P ist hingegen der Meinung so und so viel Stunden *abgearbeitet* zu haben und schiebt jede weitere Verantwortung von sich.

In weiterer Folge ändert P eigenmächtig alle Serverpasswörter, worauf Webunternehmen (X) sowohl auf ihr eigenes System, als auch auf ihre Inhalte keinen Zugriff mehr haben und eine Weiterführung des Betriebs somit nicht mehr möglich ist....

Nun zu den Fragen: Erpressung STGB ja oder nein? Hat sich das Unternehmen durch die Nichtzahlung für geleistete Arbeitsstunden strafbar gemacht? (auch wenn die Ergebnisse teilweise deutlich zu Wünschen übrig ließen und es einen 14 tägigen Widerrufsrecht gab)
Könnte P durch eine solche Handlung schadenersatzpflichtig werden? (laufende Serverkosten, Zeit und Verdienstausfall, Unfähigkeit des Betriebs sich in der Zeit um einen anderen Experten zu bemühen, Unfähigkeit des Betriebs sich um Updates oder mögliche fahrlässige Systemlücken zu kümmern, Wettbewerbsnachteile, möglicher Datendiebstahl durch P...)

Der Betreiber von X hat bereits andere Schulden z.t wegen einer anderen ähnlich gelagerten Geschichte und gilt aktuell als zahlungsunfähig. Entwickler P wurde wiederum damit erpresst, erst weiteres Geld zu sehen wenn die im ursprünglichen Vertrag abgesprochenen Anforderungen gelöst sind...

Wie sieht die juristische Lage aus?


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BeitragVerfasst: 19.05.17, 21:49 
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Hallo,

Zitat:
Hat sich das Unternehmen durch die Nichtzahlung für geleistete Arbeitsstunden strafbar gemacht?
Das Nichtbezahlen eines vereinbarten Honorars ist eine zivilrechtliche Angelegenheit und keine Straftat. Eine Straftat (Eingehungsbetrug) wäre es nur dann, wenn X bei der Auftragserteilung bereits gewußt hat, dass er nicht zahlen kann oder will z.B. deswegen weil X zu diesem Zeitpunkt bereits zahlungsunfähig war.

Zitat:
Könnte P durch eine solche Handlung schadenersatzpflichtig werden?
Möglicherweise ja.

Zitat:
Entwickler P wurde wiederum damit erpresst, erst weiteres Geld zu sehen wenn die im ursprünglichen Vertrag abgesprochenen Anforderungen gelöst sind...
Die Ankündigung, das vereinbarte Honorar erst nach Fertigstellung des Auftrags zu bezahlen ist keine Erpressung. Wo ist das empfindliche Übel?

_________________
Grüße, Susanne


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BeitragVerfasst: 20.05.17, 12:54 
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Themenstarter
Wie sieht es mit dem Ändern der Serverpasswörter aus um eine Rechnungsbegleichung von X zu erzwingen... Juristisch eine Erpressung oder ist das noch *Grauzone*?

Zitat:
Die Ankündigung, das vereinbarte Honorar erst nach Fertigstellung des Auftrags zu bezahlen ist keine Erpressung. Wo ist das empfindliche Übel?


Auch wenn vereinbart war: so und soviel die Stunde und die noch offenen Außenstände nicht bezahlt wurden?


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BeitragVerfasst: 20.05.17, 13:14 
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Beiträge: 7883
Zitat:
Auch wenn vereinbart war: so und soviel die Stunde und die noch offenen Außenstände nicht bezahlt wurden?
Das Nicht-Einhalten von Vereinbarungen ist keine Straftat. Um eine Straftst zu sein, hätte beim Abschluss der Vereinbarung bereits der Wille bestehen müssen, sich nicht an die Vereinbarung zu halten, dann käme die Täuschung dazu, und dann ist es eine Straftat. Weisen Sie das mal nach!

Zitat:
Wie sieht es mit dem Ändern der Serverpasswörter aus um eine Rechnungsbegleichung von X zu erzwingen... Juristisch eine Erpressung oder ist das noch *Grauzone*?
Um die "Androhung eines empfindlichen Übels" aus StGB § 253 zu erfüllen, ist die Drohung mit einem Straftatbestand erforderlich (Körperverletzung, Entführung etc.). Das Ändern der Serverpasswörter im Zuge der Überarbeitung des Webauftritts ist keine Straftat.

_________________
Grüße, Susanne


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BeitragVerfasst: 20.05.17, 16:14 
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Tja, das ist eigentlich ein interessantes Thema, ei dem ich mittlerweile denke, dass das deutsche Recht in der Praxis noch nicht so weit ist für solche Probleme vernünftige Lösungen zu bieten - oder ich hab bloß noch niemanden getroffen der diese Kennt....

Die oberflächliche Top-Antwort ist natürlich immer die:

Das Projekt wird so gut wie die zugrunde liegenden Verträge :lachen: :devil:

Nur funzt das leider so inder Praxis nicht wirklich - egal ob Dienst oder Werkvertrag das ist nicht wirklich abbildbar.

Beim Werkvertrag liegt das Problem schon darin, das der"Kunde" meist nich weiß was er haben will und das ein Lastenheft das wirklich gerichtsfest beschreibt was denn geliefert werden soll mehr Aufwand bedeutet als die Lösung selber. Das liegt auch an den modernen Werkzeugen.

Beim Dienstvertrag ist es ähnlich, nur das hinterehr nicht das Werk bekrittelt wird sondern der Aufwand. Das liegt auch hier daran, dass man da ggf. einen Mitarbeiter braucht der die Änderungswünsche dokumentiert und einen der die Auwände Protokolliert und noch einen der das ständig mit dem Kunden verhandelt - aja, einer muss noch die eigentliche Arbeit machen ... das ist klar...

Was den Betrug angeht hat SusanneBerlin halt recht - zu beweisen ist das halt kaum - obwohl ich davon ausgehe, das 70% der Gewerblichen von Anfang an den Plan haben nicht zu zahlen was vereinbart war.
Deshalb war Silicon Valley auch nicht in Deutschland :devil:


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BeitragVerfasst: 20.05.17, 16:23 
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Beiträge: 6261
SusanneBerlin hat geschrieben:
... Um die "Androhung eines empfindlichen Übels" aus StGB § 253 zu erfüllen, ist die Drohung mit einem Straftatbestand erforderlich (Körperverletzung, Entführung etc.). ...



Wie kommen Sie denn darauf?

Wie der Wortlaut sagt genügt jede Nötigung i.S. des § 240 StGB.


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BeitragVerfasst: 20.05.17, 17:08 
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freemont hat geschrieben:
SusanneBerlin hat geschrieben:
... Um die "Androhung eines empfindlichen Übels" aus StGB § 253 zu erfüllen, ist die Drohung mit einem Straftatbestand erforderlich (Körperverletzung, Entführung etc.). ...



Wie kommen Sie denn darauf?

Wie der Wortlaut sagt genügt jede Nötigung i.S. des § 240 StGB.


Wenn ich mal raten dürfte, wird es wohl so sein, dass man in der Praxis als genötigter wohl tatsächlich den ganz groben Klotz als Nötigungsmittel braucht um nicht in einer Einstellung zu enden.
Etwas subtilere Nötigungsmittel (also alles unterhalb des Kalibers Basballschlägers :roll: ) finden wohl nur über ein erfolgreiches Klageerzwingungsverfahren (allso alle 3 Schaltjahre) ihren Weg in die Literatur :ostern: (achtung Übertreibung)


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