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recht.de • Thema anzeigen - Formen männlicher & weiblicher Gewalt aus juristischer Sicht
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BeitragVerfasst: 07.03.17, 13:06 
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Hallo,

ich bin Psychologe, wohne, lebe und arbeite in der Erdbebenregion Italiens (L'Aquila, http://forgenregelnbeachten.de). Mir sind aus meiner Zeit in Deutschland, aber mittlerweile auch aus meiner Zeit in Italien zahlreiche Fälle häuslicher Gewalt (zwischen Ehe- oder auch nicht-verheirateten Partnern) bekannt. Was Gewalt (mit oder ohne sexuellen Anteil) in einer Frau anrichten kann, ist mit Worten kaum zu beschreiben / zu erfassen.

Aber !!! Ich kenne auch Formen weiblicher Gewalt. Und die "Anwendung" dieser Gewaltformen können genauso furchtbare Auswirkungen haben; z.B. auf Männer ... nicht nur auf Männer, denn alles kann auch auf Frauen "zurückfallen" (die Gewalt-Falle).

Soviel zur psychologischen Sicht.

Jetzt würde mich mal interessieren, welche Kategorien der (häuslichen) Gewalt zwischen Lebens-Partnern aus juristischer Sicht unterschieden werden. Gibt es da Kategorien ? Überschriften ? spezifische Begriffe ? Inhaltliche Beschreibungen ? Schweregrade ? Bin ich hier - im Bereich Familien-Recht - mit dieser Anfrage richtig ? Greift auch das Strafrecht ? Sagt das Grundgesetz etwas dazu ?

Ich bin für jede Anregung dankbar.

Pinie Mand / Frank Otto Haug
http://forenregelnbeachten.de


Zuletzt geändert von ktown am 07.03.17, 14:59, insgesamt 1-mal geändert.
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BeitragVerfasst: 07.03.17, 14:52 
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Pinie hat geschrieben:
Hallo,

ich bin Psychologe, wohne, lebe und arbeite in der Erdbebenregion Italiens ...Mir sind aus meiner Zeit in Deutschland, aber mittlerweile auch aus meiner Zeit in Italien zahlreiche Fälle häuslicher Gewalt (zwischen Ehe- oder auch nicht-verheirateten Partnern) bekannt. Was Gewalt (mit oder ohne sexuellen Anteil) in einer Frau anrichten kann, ist mit Worten kaum zu beschreiben / zu erfassen.

Aber !!! Ich kenne auch Formen weiblicher Gewalt. Und die "Anwendung" dieser Gewaltformen können genauso furchtbare Auswirkungen haben; z.B. auf Männer ... nicht nur auf Männer, denn alles kann auch auf Frauen "zurückfallen" (die Gewalt-Falle).

Soviel zur psychologischen Sicht.


das ist keine psychologische Sicht, das sind nichts sagende Allgemeinplätze, die sich zusammenfassen lassen in "Es gibt Gewalt in Partnerschaft und das Ergebnis ist für beide Seiten furchtbar".
Was für eine Neuigkeit :roll:

Pinie hat geschrieben:
Greift auch das Strafrecht ? Sagt das Grundgesetz etwas dazu ?


ja, das Strafrecht greift hier.


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BeitragVerfasst: 07.03.17, 17:29 
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Nun ja, Art. 3 GG sollte eigentlich auch einen Psychologen bekannt sein. Und im StGB ist mir keine Bestimmung bekannt, die geschlechtsspezifisch danach unterscheidet, wer sich nun strafbar gemacht hat. Etwa so: Ermordet ein Mann seine Schwiegermutter, gibt es lebenslang; ermordet eine Frau ihre Schwiegermutter gibt es .....?

Nicht nur lesen können, sondern es auch tun, das hilft schon weiter.

Chavah


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BeitragVerfasst: 07.03.17, 19:13 
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Chavah hat geschrieben:
Nun ja, Art. 3 GG sollte eigentlich auch einen Psychologen bekannt sein. Und im StGB ist mir keine Bestimmung bekannt, die geschlechtsspezifisch danach unterscheidet, wer sich nun strafbar gemacht hat. Etwa so: Ermordet ein Mann seine Schwiegermutter, gibt es lebenslang; ermordet eine Frau ihre Schwiegermutter gibt es .....?

Nicht nur lesen können, sondern es auch tun, das hilft schon weiter.

Chavah


der Beitrag des TE gehört(e) wohl auch eher in die Rubrik Werbepsychologie


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BeitragVerfasst: 07.03.17, 19:21 
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Pinie hat geschrieben:
Jetzt würde mich mal interessieren, welche Kategorien der (häuslichen) Gewalt zwischen Lebens-Partnern aus juristischer Sicht unterschieden werden. Gibt es da Kategorien ? Überschriften ? spezifische Begriffe ? Inhaltliche Beschreibungen ? Schweregrade ? Bin ich hier - im Bereich Familien-Recht - mit dieser Anfrage richtig ? Greift auch das Strafrecht ? Sagt das Grundgesetz etwas dazu ?


Neben dem bereits genannten Art 3 GG passt der Art 2 Abs 2 zu Ihrem Thema "wie die Faust aufs Auge":
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland hat geschrieben:
Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.


Ja und tatsächlich wird auf häusliche Gewalt das Strafrecht angewandt. Dazu liest man im Strafgesetzbuch:
Strafgesetzbuch (StGB) hat geschrieben:
Siebzehnter Abschnitt

Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit

§ 223 Körperverletzung
(1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.

Zitat:
§ 224 Gefährliche Körperverletzung
(1) Wer die Körperverletzung

1.
durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
2.
mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,
3.
mittels eines hinterlistigen Überfalls,
4.
mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder
5.
mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung

begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.


§ 226 Schwere Körperverletzung

§ 227 Körperverletzung mit Todesfolge

_________________
Grüße, Susanne


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BeitragVerfasst: 07.03.17, 22:12 
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Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland hat geschrieben:
Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Nun ja, das GG ließ zu, dass bis 1997 ausschliesslich die Vergewaltigung von Frauen als solche unter Strafe stand, und das auch nur wenn die Tat außerhalb der Ehe stattfand. Weder waren Männer entsprechend geschütz, noch wurde die Vergewaltigung der Ehefrau durch den Ehemann von § 177 StGB erfasst. Dies änderte sich durch politischen Willen, rein auf Grundlage unserer Verfassung wäre solch eine Diskriminierung jederzeit wieder möglich.


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 08:52 
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... ich möchte nur zwischendurch mal "danke" sagen. Da sind konkrete Hinweise dabei.

Wir leben in unterschiedlichen Realitäten. Jetzt muss ich erstmal die juristische (Sprache) in meine bringen.


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 09:49 
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gmmg hat geschrieben:
rein auf Grundlage unserer Verfassung wäre solch eine Diskriminierung jederzeit wieder möglich.


Laß mich kurz überlegen ... NEIN ! :roll:


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 10:16 
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Pinie hat geschrieben:
.

Jetzt muss ich erstmal die juristische (Sprache) in meine bringen.


:engel: wenn damit nicht italienisch gemeint ist, darf man gespannt sein, welche "Übersetzung" nun folgt. :arrow: Die Ausführungen waren nicht sonderlich juristisch oder kompliziert.


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 10:29 
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Nee, das waren sie wirklich nicht. Es ging nur schlicht und ergreifend ums Lesen. Ist ja schön, wenn der Psychologe immerhin jetzt erkannt hat, dass Lesen von enormem Vorteil ist. Hoffentlich tut er es jetzt auch.

Chavah


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 12:08 
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Celestro hat geschrieben:
Laß mich kurz überlegen ... NEIN !
Da würde ich mir mal keine Illusionen machen, die einschlägigen Regelungen (Art. 2, 3, 6) galten bereits vor der Gesetzesänderung und erfuhren keine relevanten Änderungen. Man kann natürlich auch argumentieren, dass das Strafrecht seit Gründung der Bundesrepublik verfassungswidrig war, aber auch dieser Zustand könnte wiederhergestellt werden, wenn der politische Wille da ist. Wir sind ja auf dem besten Weg Extremisten in den Bundestag zu befördern.


Zuletzt geändert von gmmg am 08.03.17, 12:45, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 08.03.17, 12:35 
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Chavah hat geschrieben:
Nun ja, Art. 3 GG sollte eigentlich auch einen Psychologen bekannt sein. Und im StGB ist mir keine Bestimmung bekannt, die geschlechtsspezifisch danach unterscheidet, wer sich nun strafbar gemacht hat.
Gibts aber:

§ 183 Exhibitionistische Handlungen

(1) Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.
(3) Das Gericht kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe auch dann zur Bewährung aussetzen, wenn zu erwarten ist, daß der Täter erst nach einer längeren Heilbehandlung keine exhibitionistischen Handlungen mehr vornehmen wird.
(4) Absatz 3 gilt auch, wenn ein Mann oder eine Frau wegen einer exhibitionistischen Handlung
1. nach einer anderen Vorschrift, die im Höchstmaß Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe androht, oder
2. nach § 174 Absatz 3 Nummer 1 oder § 176 Abs. 4 Nr. 1
bestraft wird.


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 13:19 
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Exhibitionismus ist interessant ... will ich mal aufgreifen. Gibt es hier eine Gleichbehandlung zwischen Männern und Frauen ? Ich meine, nackte Frauen sieht man doch ständig, die Medien sind voll davon.

Ab wann (Pose ? Entblösungsgrad ?) würde man bei einer Frau von Exhibitionismus sprechen ? Und wird sie dadurch genauso straffäliig (und geahndet) wie ein Mann ?


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 13:26 
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https://de.m.wikipedia.org/wiki/Exhibitionismus

Es gibt eben keine Gleichbehandlung. Das ergibt sich ja aus dem Wortlaut.
Zu dem genauen Tatbestand verweise ich einfach mal auf den Link.

Eine Frau kam per Definition keinen Exhibitionismus im Sinne des Strafgesetzbuches begehen.
Je nach genauer Handlung kommen aber andere Normen in Betracht.


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BeitragVerfasst: 08.03.17, 13:35 
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Beiträge: 2370
Nacktheit alleine ist kein Exhibitionismus, auch nicht bei Männern. Einfach mal "nackter Jörg" googeln.

Ansonsten empfehle ich einen Kommentar zum StGB - gerade als Psychologe hat man dann eine Grundlage auf die man sich professionell beziehen kann.


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