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recht.de • Thema anzeigen - Warum nur Räuberische Erpressung?
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 Betreff des Beitrags: Warum nur Räuberische Erpressung?
BeitragVerfasst: 30.09.17, 19:21 
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Sorry,ich bin Moment etwas aufgebracht,warum lautet der Tatvorwurf nicht Mordversuch?
Es geht um den Fall des Supermarkterpressers.
Meiner Meinung nach liegen hier doch ganz klar zwei Mordmerkmale vor, Heimtücke und Bereicherungsabsicht.
Sehe ich da etwas falsch oder müßte hier nicht auf Mordversuch angeklagt werden?


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BeitragVerfasst: 30.09.17, 20:42 
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Wohnort: Niedersachsen
Heimtücke wäre es, wenn er sich nicht im Voraus gemeldet hätte, sondern erst, nachdem ein Schaden entstanden wäre - sprich jemand wäre gestorben. Da er aber selbst dafür gesorgt hat, dass die gefährliche Ware gefunden wird, bevor etwas passiert, fehlt die Mordabsicht.

_________________
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -


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BeitragVerfasst: 30.09.17, 20:56 
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Themenstarter
Zitat:
Heimtücke wäre es, wenn er sich nicht im Voraus gemeldet hätte, sondern erst, nachdem ein Schaden entstanden wäre - sprich jemand wäre gestorben.
War es denn wirklich so? Hätte denn niemand die vergiftete Ware kaufen können? Also bei illegalen Autorennen wird
ja mitlerweile von einem versuchten Tötungsdelikt ausgeganen,auch bei dem Steinewerfer von der Autobahnbrücke wird davon ausgegangen,nur hier nicht.


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BeitragVerfasst: 30.09.17, 21:01 
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wolfmoon hat geschrieben:
Bereicherungsabsicht
Meint eher die Bereicherung durch einen Mord um mich mit dem Eigentum des Ermordeten zu bereichern.
Ein, wenn du mich nicht bereicherst, dann töte ich jemanden, ist der klassische Fall von Erpressung.

_________________
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.


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BeitragVerfasst: 30.09.17, 21:15 
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Da Details der Lebensmittel-Deponierungen nicht öffentlich sind, wird hier niemand mit der nötigen Sicherheit sagen können, wie es denn "wirklich so war".


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BeitragVerfasst: 30.09.17, 22:12 
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Es gab wohl tatsächlich vergiftete Lebensmittel. Ob das dann ein Mordversuch war, hängt sehr davon ab, wo die gefunden wurden und wie die gefunden wurden. Zufallsfunde werden das nicht gewesen sein, so dass ich vermute, dass ein sehr konkreter Hinweis vom Täter kam, welches konkrete Lebensmittel vergiftet war. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, dass tatsächlich jemand vergiftet wird, kann man ohne genaue Kenntnis nicht beurteilen.

Für einen Mordversuch reicht es jedenfalls nicht dass man im Rahmen so einer Tat mit der Vergiftung von Lebensmitteln droht. Wenn die erfolgten Vergiftungen "nur" der Untermauerung der Ernsthaftigkeit der Drohungen dienten, dann kann man noch nicht von Mordversuch sprechen.

Außerdem unterscheidet sich die Strafandrohung für schwere räuberische Erpressung nicht wirklich von der für Mordversuch.


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BeitragVerfasst: 01.10.17, 11:42 
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Vielleicht sagt sich die StA auch "Wir nehmen nur das, was wir definitiv durchbringen".


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BeitragVerfasst: 02.10.17, 08:56 
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Beiträge: 1949
Haben die damals, in den 80'ern, nicht damit den Wein gepanscht (Ethylenglycol )? War damal auch ein skandal.... Streng genommen war das dann ja auch versuchter Mord...

Bei Gift ist der Deutsche nicht so.... aber wehe du haust Pferdefleisch in die Lasagnie :mrgreen:


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BeitragVerfasst: 06.10.17, 15:52 
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Beiträge: 1431
wolfmoon hat geschrieben:
Sorry,ich bin Moment etwas aufgebracht,warum lautet der Tatvorwurf nicht Mordversuch?
Es geht um den Fall des Supermarkterpressers.
Meiner Meinung nach liegen hier doch ganz klar zwei Mordmerkmale vor, Heimtücke und Bereicherungsabsicht.
Sehe ich da etwas falsch oder müßte hier nicht auf Mordversuch angeklagt werden?

Tötungsabsicht?


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BeitragVerfasst: 06.10.17, 16:16 
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wolfmoon hat geschrieben:
Zitat:
Heimtücke wäre es, wenn er sich nicht im Voraus gemeldet hätte, sondern erst, nachdem ein Schaden entstanden wäre - sprich jemand wäre gestorben.
War es denn wirklich so? Hätte denn niemand die vergiftete Ware kaufen können? Also bei illegalen Autorennen wird
ja mitlerweile von einem versuchten Tötungsdelikt ausgeganen,auch bei dem Steinewerfer von der Autobahnbrücke wird davon ausgegangen,nur hier nicht.



Das wurde doch in der PK diskutiert. Es hätte durchaus sein können, dass eines der Gläschen abverkauft würde, bevor es sichergestellt werden konnte. Der Täter hatte das nicht im Griff.

In der Anklage wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der versuchte Mord auftauchen, so war das auch in der PK angedeutet worden.

https://www.tagesschau.de/inland/lebens ... r-107.html
Zitat:
Gegen den mutmaßlichen Erpresser im Fall der vergifteten Babynahrung ist Haftbefehl erlassen worden. Der 53-Jährige aus dem Kreis Tübingen soll versucht haben, einen Millionenbetrag zu erpressen.

Nach der Festnahme am Nachmittag hat die Polizei Haftbefehl wegen versuchter schwerer, räuberischer Erpressung gegen den mutmaßlichen Supermarkt-Erpresser erlassen. Das sagte ein Sprecher der Polizei in Konstanz. Ein Ermittlungsrichter hatte den Verdächtigen verhört.
...
Laut Boger drohen dem Mann zwischen fünf und 15 Jahren Haft im Fall einer Verurteilung. Boger schloss eine mögliche Beschuldigung auch wegen versuchter Tötung nicht aus. In dem Fall könnte er bei einem Schuldspruch auch zu lebenslanger Haft verurteilt werden.


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BeitragVerfasst: 06.10.17, 16:18 
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Tom Ate hat geschrieben:
wolfmoon hat geschrieben:
Sorry,ich bin Moment etwas aufgebracht,warum lautet der Tatvorwurf nicht Mordversuch?

Wo hast du die Behauptung her, dass es keinen solchen Tatvorwurf gibt?

Wenn ich das richtig mitbekommen habe, war der Täter nicht einmal zum Zeitpunkt der Frage ermittelt.

Bei Giften spielt auch die Menge eine Rolle.

Da der Täter anscheinend darauf hingewiesen hat, dass Nahrungsmittel vergiftet sind, kann man wohl nicht davon ausgehen, dass er unbedingt jemand umbringen wollte. Also zumindest dürfte kein direkter Vorsatz vorliegen.

Es kommt vor allem darauf an, was er sich dabei gedacht hat. Wenn er sich sich dachte: "Es wird schon keiner umkommen", scheitert das am fehlenden Vorsatz. Das gilt auch dann, wenn es theoretisch möglich gewesen wäre, dass jemand umkommt.


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BeitragVerfasst: 06.10.17, 17:05 
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Pünktchen hat geschrieben:
...

Es kommt vor allem darauf an, was er sich dabei gedacht hat. Wenn er sich sich dachte: "Es wird schon keiner umkommen", scheitert das am fehlenden Vorsatz. Das gilt auch dann, wenn es theoretisch möglich gewesen wäre, dass jemand umkommt.



So leicht könnte er sich da nicht herauswinden.

Bedingter Vorsatz, dolus eventualis, reicht aus.

So wie sich das darstellt, liegt der Eventualvorsatz vor, es wurde billigend in Kauf genommen, dass ein Baby stirbt. Dass Mordmerkmale vorliegen ist offensichtlich.

In der Anklage wird der versuchte Mord deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach auftauchen.


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BeitragVerfasst: 07.10.17, 02:32 
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freemont hat geschrieben:

Bedingter Vorsatz, dolus eventualis, reicht aus.

Das hat ja auch kein und bestritten. Sofern er aber darauf vertraut hat, dass niemand zu Schaden kommt, ist es auch kein bedingter Vorsatz. Selbst schön in deinem zu einem Fall doch jmd. umgekommen wäre, wäre es eine (bewusste) Fahrlässigkeit.

In der Praxis ist aber entscheideend, was das Gericht denkt. Die Richter meinen häufig sie wüssten, was ein anderer denkt. Daher istes gut möglich dass auch deshalb eine Verteilung erfolgt.


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BeitragVerfasst: 07.10.17, 08:34 
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Beiträge: 7117
Pünktchen hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:

Bedingter Vorsatz, dolus eventualis, reicht aus.

Das hat ja auch kein und bestritten. Sofern er aber darauf vertraut hat, dass niemand zu Schaden kommt, ist es auch kein bedingter Vorsatz. Selbst schön in deinem zu einem Fall doch jmd. umgekommen wäre, wäre es eine (bewusste) Fahrlässigkeit.

In der Praxis ist aber entscheideend, was das Gericht denkt. Die Richter meinen häufig sie wüssten, was ein anderer denkt. Daher ist es gut möglich dass auch deshalb eine Verteilung erfolgt.


Die Beweislage und die äusseren Tatumstände sind eben wie sie sind. Und demnach, so die Polizei in der PK, hätte es gut sein können, dass ein Gift-Glas verkauft worden wäre bevor es die Polizei sicherstellen konnte. Der Täter hatte darauf keinen Einfluss. Das war ihm egal. Ds ist Fakt.

Da kann man (angeblich) noch so sehr darauf vertrauen, dass Niemand zu Schaden kommt, wenn das nur vom reinen Zufall, Glück abhängt ist das bedingter Vorsatz. Ein Baby hätte sterben können und das wurde billigend in Kauf genommen. Das wäre keine fahrlässige Tötung, das wäre Mord gewesen.

Man wird ja sehen, was in der Anklage steht und wie das Gericht das nach der Beweisaufnahme sieht. Niemand muss sich die Hosen mit der Kneifzange anziehen lassen.


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BeitragVerfasst: 16.10.17, 16:18 
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Beiträge: 5179
freemont hat geschrieben:
Die Beweislage und die äusseren Tatumstände sind eben wie sie sind.

Ja, aber erstens diese sind hier nicht im Detail bekannt, zweitens diskutiekren wir hier theoretische Sachverhalte und drittens geht es hier um den subjektiven Tatbestand.

freemont hat geschrieben:
Und demnach, so die Polizei in der PK, hätte es gut sein können, dass ein Gift-Glas verkauft worden wäre bevor es die Polizei sicherstellen konnte. Der Täter hatte darauf keinen Einfluss.

Du kennst also Details? Rein theoretisch ist vieles möglich. Auch wenn etwas möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass es wahrscheinlich ist. Die Frage ist auch nur, wovon der Täter ausging.

Alleine durch den Kauf stirb niemand. Möglicherweise hat der Täter auch deutlich auf darauf hingewiesen, dass das Produkt vergiftet ist.

Kauf man einen Babybrei im Glas, steht das auch unter Unterdruck. Ist das beim Öffnen nicht der Fall, sollte man das Produkt in keinem Fall essen.

Zitat:
Das war ihm egal. Ds ist Fakt.

Das ist kein Fakt.

So ganz egal wird es dem Täter wohl nicht gewesen sein, sonst hätte er nicht darauf hingewiesen. Es war de facto offenbar ausreichend, damit niemand zu Schaden gekommen ist.

Meines wissens gab es auch keine (großangelegte) Rückrufaktion oder ein Austausch aller waren. Es wäre ja möglich, dass der Täter nicht nur Babynahrung vergiftet hat und auch in ganz anderen Supermärkten ein vergiftetes Produkt platziert hat.

Zitat:
Da kann man (angeblich) noch so sehr darauf vertrauen, dass Niemand zu Schaden kommt, wenn das nur vom reinen Zufall, Glück abhängt ist das bedingter Vorsatz.

Das ist so nicht zutreffend. Der Vorsatz setzt voraus, dass man etwas billigend in Kauf nimmt. Wenn man auf etwas darauf vertraut, dass das Ereignis nicht eintritt, ist es auch kein Vorsatz.


Zitat:
Man wird ja sehen, was in der Anklage steht und wie das Gericht das nach der Beweisaufnahme sieht.
Ich behaupte, weder, dass es kein versuchter Mord war, noch dass es ein Mord war.


Aber mit Sicherheit wird nicht in einer evtl. Anklage wg. Mordes stehen, dass der Täter darauf vertraut hat, dass niemand dabei umkommt.


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