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recht.de • Thema anzeigen - Notoperation ohne explizite Einwilligung der Patientin
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BeitragVerfasst: 22.10.16, 15:57 
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Hallo!

Folgender Sachverhalt:

A: Patientin
B: Hebamme
C: Oberärztin
D: Partner der Patientin

A hatte im Kreißsaal eines Krankenhauses entbunden
(Hockergeburt - spontan), dies unter Anwesenheit und Anleitung von B und C.

D war als Unterstützung dabei und saß während der Geburt hinter A.

Kurz nach der Entbindung hatte A sehr viel Blut (laut Aussage der C: über die Hälfte des vorhandenen Blutes, so dass der hb-Wert schlagartig auf 6 sank) verloren, des Weiteren konnte die Blutung im Kreißsaal laut der Aussage von C nicht gestillt werden.

Daraufhin veranlasste C unverzüglich eine Notoperation (unter Vollnarkose, kein EKG) der A, zwecks Stillung der Blutung, der Gabe von Infusionen, etc. Allerdings wurde A vor dieser Notoperation nicht gefragt, ob sie der Operation einwilligt.

Jedoch erschien A zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr in der Lage zu sein, der Notoperation zuzustimmen bzw. diese evtl. abzulehnen; aufgrund des hohen Blutverlustes war A schon extrem benommen und nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne, zumindest machte es den Eindruck. A hat der Operation weder zugestimmt, noch diese abgelehnt.

Während der Operation war der D zunächst alleine mit dem Säugling im Kreißsaal. Später kam dann die Hebamme B zu ihm und sagte, dass eine Notoperation vermutlich gar nicht von Nöten gewesen wäre, man hätte die Blutung womöglich auch durch eine Ausschabung stoppen können.

Jedoch - so weiter die Ausführungen der B - veranlassen die jüngeren Ärztinnen wohl relativ häufig eine Notoperation in solchen Fällen, weil diese einfach etwas vorsichtiger sind, als die "alt eingesessenen" Ärztinnen, die wohl gerne etwas "rabiater" vorgehen, als dass sie eine Notoperation veranlassen.

Weiterhin hatte A in einem vorigen Gespräch (zwei Tage vor Entbindung) mit der C dieser mitgeteilt, dass sie weder von einem Mann untersucht werden bzw. noch möchte, dass ein Mann während der Geburt oder einer evtl. stattfindenden OP dabei ist. Die Gründe hierfür gestalten sich vielfältig, sollen hier aber nicht näher erläutert werden.



Das Krankenhaus wurde entsprechend explizit ausgesucht, weil in der dortigen Geburtshilfe nur weibliche Kollegen tätig sind. Anders sieht dies allerdings beim OP-Team des Krankenhauses aus. Da könne man ihr wohl nicht garantieren, dass kein Mann dabei ist, so die Aussage der C.

(Hinweis: Eine etwaige Patientenverfügung von A existiert nicht.)

Fragen zum Sachverhalt:

1.
Hätte A im vorliegenden Fall einer Notoperation explizit zustimmen müssen, damit C operieren durfte, oder können die Tatsachen,

a) dass es sich um eine Notoperation aufgrund des hohen Blutverlustes und der "Nichtstillung" dessen handelte, in der unverzügliches Handeln erforderlich ist und

b) dass A aufgrund des starken Blutverlustes schon extrem benommen und ihr ebenso extrem schwindelig war

die Annahme rechtfertigen, dass von einer mutmaßlichen Einwilligung von A auszugehen und daher keine explizite Einwilligung von Nöten war?


2.
Ließe sich im Nachhinein noch ermitteln, ob eine Notoperation wirklich von Nöten gewesen wäre? Denn laut Aussage der Hebamme B hätte die C die Blutung auch anderweitig und diese im Kreißsaal stoppen können!

Wie ist solch eine Aussage von B zu werten?


3.
Das komplette OP-Team bestand im vorliegenden Fall ausnahmslos aus Frauen.

Wäre dem aber nicht so gewesen, hätte A im Vorfeld darauf bestehen können bzw. hätte das Krankenhauspersonal Rücksicht darauf nehmen müssen, dass keine männlichen Kollegen im OP anwesend sein sollen?


Bitte um Antworten!


Gruß
Aunt Meverest


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BeitragVerfasst: 22.10.16, 16:09 
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FDR-Moderator

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Beiträge: 13932
1. In meinen Augen durfte unter der Notfallindikation im Sinne der Patientin und ihres mutmaßlichen Willens operiert werden.

2. Das wird sich im Nachhinein kaum mehr klären lassen. Die Aussage der Hebamme ist ihre Einschätzung der Situation. Nicht mehr und nicht weniger. "Hätte, wäre, wenn..." lässt sich hinterher immer einfacher sagen, als in der Akutsituation eine Entscheidung zu treffen und diese dann auch zu verantworten.

3. Sofern diese männlichen Mitarbeiter notwendig bzw. Teil des normalen Betriebes sind, dann kann die Patientin die Behandlung insgesamt ablehnen, ein einklagbares Recht auf Wunsch-OP-Team hat sie aber nicht.


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BeitragVerfasst: 22.10.16, 19:02 
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Beiträge: 3463
Aunt Meverest hat geschrieben:
3.
Das komplette OP-Team bestand im vorliegenden Fall ausnahmslos aus Frauen.

Wäre dem aber nicht so gewesen, hätte A im Vorfeld darauf bestehen können bzw. hätte das Krankenhauspersonal Rücksicht darauf nehmen müssen, dass keine männlichen Kollegen im OP anwesend sein sollen?

Wie stellt sich A das vor? Grade im Notfall wird man das Personal nehmen müssen was im Dienst bzw frei ist. Oder wäre A auch zu einer OP ohne Narkose bereit gewesen nur weil grade keine Anästhesistin verfügbar ist?


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BeitragVerfasst: 22.10.16, 20:15 
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Registriert: 18.07.11, 22:30
Beiträge: 2282
Zu 1. und 3. ist alles gesagt.

Zu 2. muss noch gesagt werden, dass so etwas keine Mathematik ist. In der selben Lage sagt der eine Arzt "Das geht noch", während der nächste sagt "Das ist mir zu heikel, ich operiere". Medizinisch gesehen kann beides richtig im Sinne von vertretbar sein.


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BeitragVerfasst: 22.10.16, 20:19 
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Beiträge: 4306
Aunt Meverest hat geschrieben:

(Hinweis: Eine etwaige Patientenverfügung von A existiert nicht.)

Fragen zum Sachverhalt:

1.
Hätte A im vorliegenden Fall einer Notoperation explizit zustimmen müssen, damit C operieren durfte, oder können die Tatsachen,

a) dass es sich um eine Notoperation aufgrund des hohen Blutverlustes und der "Nichtstillung" dessen handelte, in der unverzügliches Handeln erforderlich ist und

b) dass A aufgrund des starken Blutverlustes schon extrem benommen und ihr ebenso extrem schwindelig war

die Annahme rechtfertigen, dass von einer mutmaßlichen Einwilligung von A auszugehen und daher keine explizite Einwilligung von Nöten war?


Wenn jemand, der bereits nicht mehr bei vollem Bewusstsein ist, nur durch eine Not-OP gerettet werden kann, kann man schlecht abwarten, bis derjenige wieder zu Bewusstsein kommt.

Zitat:
2.
Ließe sich im Nachhinein noch ermitteln, ob eine Notoperation wirklich von Nöten gewesen wäre? Denn laut Aussage der Hebamme B hätte die C die Blutung auch anderweitig und diese im Kreißsaal stoppen können!


Die Hebamme kennt sich in Geburtshilfe sicher aus, aber sie ist keine Ärztin und man würde sie sicher nicht zur Verantwortung ziehen, wenn die Patienten stirbt und deutlich wird, dass eine sofortige Not-OP sie hätte retten können. Daher muss auch diejenige, die zur Verantwortung gezogen würde, einschätzen, wie hoch das Risiko einer alternativen Maßnahme ist und ob sie das eingehen kann. Außerdem wurde bereits genannt, dass man hinterher natürlich immer klüger ist.

Eine rettende OP durchzuführen und danach festzustellen, dass man diese vielleicht nicht benötigt hätte, ist nun einmal folgenloser, als keine durchzuführen und beim Tod der Patientin festzustellen, dass die OP sie vielleicht gerettet hätte.

Zitat:
Wie ist solch eine Aussage von B zu werten?


dass sie sich wichtig machen will oder irgendwelche ideologische Gründe hat, gegen eine OP zu sein. Vielleicht hat D sie auch falsch verstanden.


Zitat:
3.
Das komplette OP-Team bestand im vorliegenden Fall ausnahmslos aus Frauen.

Wäre dem aber nicht so gewesen, hätte A im Vorfeld darauf bestehen können bzw. hätte das Krankenhauspersonal Rücksicht darauf nehmen müssen, dass keine männlichen Kollegen im OP anwesend sein sollen?


A wird nicht den Personalplan des Krankenhauses bestimmen können. Es können nicht alle weiblichen Personen der Klinik wochenlang auf Wochenende, Urlaub etc. verzichten, bis A niederkommt.

Wenn A so großen Wert darauf legt, dass auf keinen Fall ein Mann anwesend ist, muss sie in einem Geburtshaus oder zu Hause entbinden oder in einer Klinik, die es - dem AGG zum Trotz- geschafft hat, ihr gesamtes Personal aus Frauen zu rekrutieren.


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BeitragVerfasst: 30.10.16, 18:50 
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Beiträge: 494
Als mitlesender Arzt kann ich bei der Schilderung solcher Einschätzungen nur den Kopf schütteln...

Offenbar ist eine erhebliche (Hb-wirksame) Blutung aufgetreten. Dafür spricht ausdrücklich auch die "Benommenheit", die ich als Kreislaufreaktion werte.

Das OP-Team macht alles richtig.
Und der Dank sind kritische Fragen mit der indirekten Androhung von Schadenersatzforderungen.

Wozu das führt habe ich erst kürzlich erleben dürfen:

Ein Patient hat eine sogenannte Aortendissektion. Das ist ein absolut lebenbedrohlicher Zustand der ohne sofortige Not-OP sicher zum Tod führt.
Als Herzchirurg braucht man eigentlich nur eine Frage zu stellen: Wollen Sie weiterleben?
Bei "Ja" sollte man sofort mit den OP-Vorbereitungen beginnen....

Was aber macht der Kollege?
Er erklärt ausführlich die geplante OP-Technik und das man u.a. eine Kunststoff-Prothese einsetzen müsse.
Ach ja, und gegen den Stoff der Prothese könne man allergisch sein, dies sei "Wichtig zu wissen".
Und so fragt er denn am Ende seines ca. dreiminütigen Vortrags, ob der Pat. alles verstanden habe (...im Angesicht des sonst sicheren Todes...) und natürlich läßt edr den Patienten am Ende ordnungsgemäß unterschreiben.

:ironie:
Frage:
Wenn der Pat. nun die OP nicht überlebt - kann man dann das Krankenhaus auf schuldhafte Verzögerung durch unnötige Aufklärung verklagen?

Nachdenkliche Grüße

MZirkus


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BeitragVerfasst: 09.11.16, 19:16 
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Wohnort: Rheinlandpfalz
Zitat:
Später kam dann die Hebamme B zu ihm und sagte, dass eine Notoperation vermutlich gar nicht von Nöten gewesen wäre, man hätte die Blutung womöglich auch durch eine Ausschabung stoppen können
.

eine Ausschabung hätte man wegen Blutverlust sowieso auch gleich machen müssen und eine Ausschabung ist ja auch eine Op unter Vollnarkose.


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BeitragVerfasst: 09.11.16, 21:09 
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Beiträge: 4306
Roni hat geschrieben:
Zitat:
Später kam dann die Hebamme B zu ihm und sagte, dass eine Notoperation vermutlich gar nicht von Nöten gewesen wäre, man hätte die Blutung womöglich auch durch eine Ausschabung stoppen können
.

eine Ausschabung hätte man wegen Blutverlust sowieso auch gleich machen müssen und eine Ausschabung ist ja auch eine Op unter Vollnarkose.


Eben- außerdem besagt "Notoperation" ja nur, dass der Eingriff in einem recht schnellen Zeitraum zu erfolgen hat und ist kein feststehender Begriff für eine bestimmte OP.

Dem anderen Thread folgend, scheint das Neugeborene nun sehr aktiv zu sein und das fiktive Paar andere Probleme zu haben.


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BeitragVerfasst: 26.01.17, 15:50 
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Beiträge: 229
D sollte froh sein, dass C A gerettet hat und ihr danken.

Ansonsten kann man bei den Fragen echt den Kopf schütteln^^ Überlebt und dann hinterher schimpfen... Wie groß wäre wohl das Gejammer, hätte man auf B gehört.


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BeitragVerfasst: 27.01.17, 10:52 
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Beiträge: 718
Aunt Meverest hat geschrieben:
Während der Operation war der D zunächst alleine mit dem Säugling im Kreißsaal. Später kam dann die Hebamme B zu ihm und sagte, dass eine Notoperation vermutlich gar nicht von Nöten gewesen wäre, man hätte die Blutung womöglich auch durch eine Ausschabung stoppen können.


Ich würde ja eher dem Rat des Rechtsanwalts vertrauen als seiner Bürokraft, aber jeder wie er mag.


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