Umgang mit Anwaltsschreiben

Recht rund ums Tier

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reiterlein24
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Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von reiterlein24 » 18.06.19, 06:17

Guten Morgen,

ein Tierarzt hat vor einiger Zeit eine Ankaufsuntersuchung für ein Pferd durchgeführt. Dabei ist ihm nachweislich ein Fehler unterlaufen, der beim Wiederverkauf auffällt. Im Ergebnis wurde das Pferd verkauft, hat aber aufgrund des damals falsch bewerteten Befundes nur ein Teil des möglichen Verkaufserlöses erzielt. Die Risikobewertung des bereits beim Ankauf sichtbaren radiologischen Befundes ist so hoch, dass sich die Ausbildung des Pferdes aus monetärer Sicht nicht gelohnt hätte.
Der Pferdebesitzer verlangt die Regulierung über die Versicherung. Mündlich wird dies auch "zugesagt". Schriftlich bzw. verbindlich kommt auch nach Monaten keine Reaktion, auch nicht auf ein anwaltliches Schreiben mit Fristsetzung.

Wirkt sich das Ignorieren solcher Anfragen auf die Rechtslage bzw. auf die ggf. erfolgende Einschätzung eines Gerichtes aus?

Danke!
Mit freundlichen Grüßen
Pferdchen 24

winterspaziergang
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von winterspaziergang » 18.06.19, 06:49

reiterlein24 hat geschrieben:
18.06.19, 06:17

ein Tierarzt hat vor einiger Zeit eine Ankaufsuntersuchung für ein Pferd durchgeführt. Dabei ist ihm nachweislich ein Fehler unterlaufen, der beim Wiederverkauf auffällt. ...
Der Pferdebesitzer verlangt die Regulierung über die Versicherung. Mündlich wird dies auch "zugesagt". Schriftlich bzw. verbindlich kommt auch nach Monaten keine Reaktion, auch nicht auf ein anwaltliches Schreiben mit Fristsetzung.

Wirkt sich das Ignorieren solcher Anfragen auf die Rechtslage bzw. auf die ggf. erfolgende Einschätzung eines Gerichtes aus?
Die Rechtslage ist, dass der Beklagte nicht auf Anwaltsschreiben reagieren muss und der Kläger dann klagen muss. Und die Einschätzung vor Gericht hängt davon ab, wie nachweislich und unstrittig der Fehler bzw. dessen Folgen sind.

SusanneBerlin
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von SusanneBerlin » 18.06.19, 06:54

Hallo!
Wirkt sich das Ignorieren solcher Anfragen auf die Rechtslage bzw. auf die ggf. erfolgende Einschätzung eines Gerichtes aus?
Nein, es hat keine Auswirkung auf das gerichtliche Verfahren, wenn man außergerichtliche Schreiben des Gegners ignoriert, da man vor Gericht seine Einwände ohnehin nochmal vortragen muss, die man dem Gegner vorher geschrieben hat bzw. hätte.

Das Gericht wird ohnehin nicht selber einschätzen, ob der Tierarzt falsch diagnistiziert hat, sondern einen Gutachter einschalten (den der Kläger zu bezahlen hat).

Die Verjährungsfrist läuft natürlich.

Dabei ist ihm nachweislich ein Fehler unterlaufen,
In welcher Form liegt der Nachweis vor?

Nur weil das Pferd nicht den erhofften Preis eingebracht hat, ist kein Nachweis einer falschen Diagnose. Vielleicht hat der Käufer auch geblufft um den Preis zu drücken.



Das müsste Ihnen Ihr Anwalt aber auch alles bereits gesagt haben.
Grüße, Susanne

reiterlein24
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von reiterlein24 » 18.06.19, 07:56

Es gibt ein Gutachten von einer namhaften Klinik und eine schriftliche Verlaufsbeurteilung vom AKU erstellenden Tierarzt die zugesteht, dass der Befund da ist und sich zwischen Kauf und Verkauf unverändert darstellt. Es wird auch kein Problem gesehen, den eigentlichen Wert des Pferdes (ohne Befund) durch Gutachter zu belegen wenn dies notwendig sein sollte.

FM
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von FM » 18.06.19, 08:19

Das Anwaltsschreiben kann eine Rolle spielen für die Frage ob Klage geboten war, also in Zusammenhang mit den Kosten. Die Hauptforderung hängt nicht davon ab, die Sache ist ja vorher schon passiert.

Wahrscheinlich ist, dass der Tierarzt das Schreiben an seine Haftpflichtversicherung weitergegeben hat und von dieser die Anweisung erhielt, sich nicht zu der Sache zu äußern.

reiterlein24
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von reiterlein24 » 18.06.19, 21:06

Das würde zumindest einiges erklären.
Ist die Rechtslage da tatsächlich so komisch?
In diesem Beispiel ist es so, dass der Tierarzt bis dahin kein großes Geheimnis aus dem Fehler gemacht hat. Es wird von beiden Seiten nicht an die große Glocke gehängt. Diejenigen die fragen, bekommen auch von beiden Seiten eine Auskunft zu dem Fall. Die Kundschaft war da auch sehr entspannt ("Fehler passieren halt.." "wir haben ihn nur kompetent und zuverlässig erlebt"). Der jetzige Umgang mit dem PRobem stösst aber auf großes Unverständnis.
Ist die Forderung einer Versicherung für die Nichtäußerung so relevant, dass ein Tierarzt seinen Ruf schädigen muss? Die Kundschaft hat weniger Angst vor dem Fehler, sondern davor, dass der Tierarzt im Falle eines Falles diesen nicht eingesteht und korrigiert.

FM
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von FM » 18.06.19, 21:14

Oft entfällt bei Haftpflichtversicherungen der Versicherungsschutz komplett, wenn der Versicherte eigenmächtig ein Verschulden zugibt.

reiterlein24
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von reiterlein24 » 19.06.19, 19:49

Kommt so eine Verlaufsbeurteilung nicht eh einem Schuldanerkenntnis gleich? Da steht drin, dass es einen Befund gibt und dass dieser bereits seit dem.Kauf unverändert ist.

Klar ist mir, dass der Befund auch einen Mangel darstellen muss....

SusanneBerlin
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von SusanneBerlin » 19.06.19, 20:07

reiterlein24 hat geschrieben:
19.06.19, 19:49
Kommt so eine Verlaufsbeurteilung nicht eh einem Schuldanerkenntnis gleich? Da steht drin, dass es einen Befund gibt und dass dieser bereits seit dem.Kauf unverändert ist.
Das war, bevor der Auftraggeber Schadensersatz verlangt hat. Seit der Tierarzt seine Versicherung kontaktiert hat, sagt/schreibt er nichts mehr was gegen ihn verwendet werden kann.
Grüße, Susanne

reiterlein24
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von reiterlein24 » 19.06.19, 20:31

ah ok.
Sorry, dass ich so doof frage. Mir ist das ganze menschlich total fremd.
Also könnte das komische Verhalten insgesamt daran liegen, dass es einer Versicherung gemeldet wurde.
Aber würde sich ein Tierarzt in so einem Fall rechtlich oder versicherungstechnisch schlecht stellen wenn er sagen würde, dass er den Schriftverkehr erhalten und seiner Versicherung übergeben hat? Sogar das fehlt. Wirkt wie ein kleines Kind welches die Hand vor Augen hält. "was ich nicht sehen will, sehe ich auch nicht..."
Ich könnte total verstehen wenn es kein Wertung mehr dazu gibt oder wenn gesagt werden würde, dass man keinen Fehler sieht. Aber so null Reaktion, ist für mich als Laie schwer nachvollziehbar.

Meine Erwartungshaltung in so einem Fall wäre ganz anders. Ähnlich wie bei einem 08/15 KFZ Schaden. Einer fährt hinten drauf, sieht seinen Fehler ein und meldet das der Versicherung. So ähnlich klar habe ich das in dem von mir geschilderten Umfang auch gesehen. Gutachter stellt Schaden fest, Ausgleich durch Versicherung. Fertig. Der anfangs geschilderte Fall fing im Grunde so an, mündlich war alles klar.

Vielen Dank übrigens für die Antworten hier!

winterspaziergang
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Re: Umgang mit Anwaltsschreiben

Beitrag von winterspaziergang » 19.06.19, 22:28

reiterlein24 hat geschrieben:
19.06.19, 20:31
Meine Erwartungshaltung in so einem Fall wäre ganz anders. Ähnlich wie bei einem 08/15 KFZ Schaden. Einer fährt hinten drauf, sieht seinen Fehler ein und meldet das der Versicherung. So ähnlich klar habe ich das in dem von mir geschilderten Umfang auch gesehen.
so läuft das in der Berufshaftpflicht nicht.
Gutachter stellt Schaden fest, Ausgleich durch Versicherung. Fertig.
ist komplizierter und nicht wie beim KFZ

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