Der Verkäufer zahlt den Makler

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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windalf
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Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von windalf » 01.03.19, 08:29

https://www.welt.de/finanzen/immobilien ... uerde.html

Was mich bei den ganzen Argument wundert. Es ist doch eigentlich jetzt auch schon so, dass der Verkäufer einen Großteil des Maklers zahlt.

Käufer x ist bereit y EURO auszugeben. Kommt da Makler drauf, dann ist er halt bereit weniger Geld auszugeben. Im Ergebnis bekommt der Verkäufer dann nicht das was er hätte bekommen können, wenn er selbst verkauft hätte.

Das einzige was man dem Makler ggf. zu Gute halten kann ist, dass er es irgendwie schafft noch ein bisschen mehr Zahlungsbereitschaft aus dem Käufer rauszukitzeln. Das mag vielleicht mal früher gegolten haben aber mit steigender Trasparenz die das Internet bietet gilt das eher nicht mehr.

Im Ergebnis ist die Diskussion für mich fast affig. Soll doch der Verkäufer den Makler bezahlen. Dann kann der sich auch überlegen wieviel er den Makler von dem was er sonst selbst bekommen würde abschöpfen lassen möchte.

Warum ich dafür bin, dass das Gesetz kommt. Eigentlich sage ich dem Makler ich habe keine Lust mich zu kümmern. Verkaufe du für mich den Scheiß. Wenn du es gut machst (und einen hohen Kaufpreis erzielst) bekommst du von mir noch was oben drauf. Die vorgebrachten Argumente warum der Käufer den Makler (be)zahlen soll (also das an den Makler überweist, was er sonst dem Verkäufer überwiesen hätte) erscheinen für mich eher dünn... Es gibt dann auch ein bisschen mehr Markt. Ob der Makler nun 7,14% auf 500.000 oder 520.000 bekommt ist dem eher egal. Dafür reißt der sich nicht mehr den Arsch auf. Wenn der aber für alles was über 500.000 liegt 20% bekommt (und vorher eher wenig bis nichts), dann auf einmal mutiert der Makler zum echten Verkäufer (so wie er es eigentlich auch sollte)
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

cherokee
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von cherokee » 26.04.19, 10:24

Ich würde sogar noch weitergehen und sagen, ich möchte 500.000€ alles darüber ist die Provision des Maklers... aber ich glaube, dann würden alle Makler mich als erstes davon überzeugen, dass mein Preis viel zu hoch angesetzt wäre :mrgreen:

ExDevil67
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von ExDevil67 » 26.04.19, 10:36

Was man dabei auch nicht vergessen dürfte. So ganz uneigennützig ist das für den Staat auch nicht.
Wenn der Käufer nämlich keinen Makler mehr bezahlen muss und statt dessen bereit ist einen um die Summe x höheren Kaufpreis zu zahlen, kassiert der Staat auch auf den höheren Kaufpreis die Grunderwerbssteuer.

windalf
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von windalf » 26.04.19, 15:24

Wenn der Käufer nämlich keinen Makler mehr bezahlen muss und statt dessen bereit ist einen um die Summe x höheren Kaufpreis zu zahlen, kassiert der Staat auch auf den höheren Kaufpreis die Grunderwerbssteuer.
Verliert aber die Mehrwehrtsteuer die der Makler abführt. Insgesamt in den meisten Fällen wohl eher ein Minusgeschäft für Vater Staat

Rechenbeispiel. Kaufpreis 1.000.000 Mio EUR => Angenommen Makler und Grunderwerbssteuer wären bei 6%, dann wären das jeweils 60.000. Der Makler muss nochmal 11.400 für die Märchensteuer draufschlagen. Landen insgesamt 71.400 bei Papa Staat.

Will nun der Käufer bei 6% Grunderwerbssteuer in Summe nicht mehr zahlen als 1.131.400 dann ist er bereit 1.067.358 zu bezahlen und drückt dann 64.042 an Grunderwerbssteuer ab. Der Verkäufer freut sich weil er sich die Differenz einstecken kann (und wenn er das Haus selbst bewohnt oder die Spekulationsfrist hat verstreichen lassen dafür keine Steuern auf den Gewinn zahlt oder aber eben die Differenz an den Makler zahlt, wenn er einen beauftragt hat.)...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

ExDevil67
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von ExDevil67 » 26.04.19, 18:45

windalf hat geschrieben:
Wenn der Käufer nämlich keinen Makler mehr bezahlen muss und statt dessen bereit ist einen um die Summe x höheren Kaufpreis zu zahlen, kassiert der Staat auch auf den höheren Kaufpreis die Grunderwerbssteuer.
Verliert aber die Mehrwehrtsteuer die der Makler abführt. Insgesamt in den meisten Fällen wohl eher ein Minusgeschäft für Vater Staat
Wieso verliert er die? Das wäre natürlich der Fall wenn kein Makler involviert ist, aber dann wäre es auch egal ob der nun vom (Ver)Käufer bezahlt werden würde. Ich hatte jetzt stillschweigend unterstellt das ein Makler immer noch seine Finger im Spiel hat, nur halt vom Verkäufer bezahlt wird.

windalf
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von windalf » 28.04.19, 00:08

ExDevil67 hat geschrieben:
windalf hat geschrieben:
Wenn der Käufer nämlich keinen Makler mehr bezahlen muss und statt dessen bereit ist einen um die Summe x höheren Kaufpreis zu zahlen, kassiert der Staat auch auf den höheren Kaufpreis die Grunderwerbssteuer.
Verliert aber die Mehrwehrtsteuer die der Makler abführt. Insgesamt in den meisten Fällen wohl eher ein Minusgeschäft für Vater Staat
Wieso verliert er die? Das wäre natürlich der Fall wenn kein Makler involviert ist, aber dann wäre es auch egal ob der nun vom (Ver)Käufer bezahlt werden würde. Ich hatte jetzt stillschweigend unterstellt das ein Makler immer noch seine Finger im Spiel hat, nur halt vom Verkäufer bezahlt wird.
Naja in dem Fall müsste man sich fragen, was der Verkäufer und der Makler vereinbaren hinsichtlich der Bezahlung. Da würde man meinen maximal 67.358 ist der Verkäufer bereit für den Makler zu zahlen. Der Makler müsste von den 67.358 dann 10.755 an Märchensteuer abgeben.

In Summe hätte Papa Staat dann 74.796 EUR bekommen bekommen statt 71.400 EUR. Der Staat hätte dann 3.396 EUR mehr eingenommen (auf Kosten des Maklers). Zu erwarten ist aber eher so etwas, dass der Verkäufer wenn er direkt mit dem Makler über dessen Bezahlung verhandelt der Makler nicht mehr die aktuell üblichen Konditionen aufrufen werden können wird (insbesondere nicht bei hochpreisigeren Objekten) und der Staat dann auch dann auch weniger Mehrwertsteuer vom Makler bekommt (dafür dann aber auch weniger Einkommens-/Gewinnsteuern vom Makler, weil der ja nicht mehr so gut verdient). Imho hat der Staat eigentlich ein interesse daran lieber ordentlich am Makler mitzuverdienen. Ändert er das Spiel verliert der Staat nicht so richtig viel aber der Makler verliert mehr als ihm lieb ist...

Man könnte meinen der Staat verbessert sich eher dadurch, dass er durch eine deutliche Senkung der Kosten für Makler mehr Grunderwerbsteuer bekommt, weil Objekte dann ggf. öfter den Besitzer wechseln... Das läuft dann aber alles auf Kosten des/der Makler und nicht auf Kosten von Käufer/Verkäufer
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Cicero
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von Cicero » 03.05.19, 13:11

windalf hat geschrieben: Käufer x ist bereit y EURO auszugeben. Kommt da Makler drauf, dann ist er halt bereit weniger Geld auszugeben. Im Ergebnis bekommt der Verkäufer dann nicht das was er hätte bekommen können, wenn er selbst verkauft hätte.
Aber wie entscheidet der Käufer, dass y Euro sein Höchstpreis ist? In erster Line hat er eine ungefähre Vorstellung davon, was für ein Haus er möchte. Dann orientiert er sich an den marktgängigen Preisen, die er für ein entsprechendes Haus bezahlen müsste, natürlich in den Grenzen dessen, was er maximal zur Verfügung hat. Und wenn es üblich ist, dass der Käufer den Makler mitbezahlen muss, dann sind die Maklerkosten auch Teil der marktgängigen Preise.

windalf
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von windalf » 03.05.19, 13:19

Cicero hat geschrieben:
windalf hat geschrieben: Käufer x ist bereit y EURO auszugeben. Kommt da Makler drauf, dann ist er halt bereit weniger Geld auszugeben. Im Ergebnis bekommt der Verkäufer dann nicht das was er hätte bekommen können, wenn er selbst verkauft hätte.
Aber wie entscheidet der Käufer, dass y Euro sein Höchstpreis ist? In erster Line hat er eine ungefähre Vorstellung davon, was für ein Haus er möchte. Dann orientiert er sich an den marktgängigen Preisen, die er für ein entsprechendes Haus bezahlen müsste, natürlich in den Grenzen dessen, was er maximal zur Verfügung hat. Und wenn es üblich ist, dass der Käufer den Makler mitbezahlen muss, dann sind die Maklerkosten auch Teil der marktgängigen Preise.
Ja Marktwirtschaft halt. Angebot und Nachfrage bilden den Preis (das System funktioniert sowohl mit als auch ohne Makler)...
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Cicero
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von Cicero » 03.05.19, 13:46

Und mit Makler bildet das System eben einen höheren Preis, den Kunden bereit sind zu zahlen. So oder so bleiben die Kosten nicht beim Verkäufer.

Tastenspitz
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von Tastenspitz » 03.05.19, 14:05

Einziger (kleiner) Unterschied ist, wenn der Verkäufer 100.000 € haben will und der Käufer zahlt den Makler bekommt der bei den üblichen 3,57% von der Kaufsumme hier 3570 €.
Wenn der VERkäufer den Makler zahlt aber trotzdem 100.000 € haben will kostet die Immoblilie dann eben 103.702 €.
Der Makler berechnet 3,57% aus der Kaufsumme, erhält dadurch 3702 € und der Käufer die gewünschten 100.000 €.
Daneben erhöhen sich beim höheren Kaufpreis auch die anderen Prozentual berechneten Nebenkosten des Erwerbs (Grunderwerbsteuer zB.).
Nicht umsonst werden beim Hauskauf öfters mal alte Einbauküchen und Konsorten für teuer Geld gekauft um den Kaufpreis des Hauses damit zu drücken.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von windalf » 03.05.19, 14:53

Und mit Makler bildet das System eben einen höheren Preis, den Kunden bereit sind zu zahlen. So oder so bleiben die Kosten nicht beim Verkäufer.
Ich behaupte das Gegenteil. Es wird kein anderer Preis gebildet, sondern der Verkäufer bezahlt indirekt den Makler, weil der Käufer eben soviel Geld hat wie er Geld hat. Es fließt in Summe nicht mehr Geld sondern es fließt nur woanders hin/verteilt sich anders...

Man kann jetzt natürlich noch spekulieren, dass der Makler einen positiven Effekt auf den Preis haben kann indem er es besser verkauft/darstellt bzw. Leuten besser was andrehen kann. Aktuell ist die Transparenz dank Internet aber ziemlich hoch und die Nachfrage auch entsprechend hoch, so dass der Maklereffekt nahe bei Null liegt. Der Verkäufer bezahlt den Makler eigentlich "nur noch" dafür, dass dieser sich um einen Großteil der Abwicklung kümmert. (Inserieren, Termine und Besichtigungen machen usw...)
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Tastenspitz
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von Tastenspitz » 04.05.19, 06:19

windalf hat geschrieben:der Maklereffekt nahe bei Null liegt.
Theorie und kaum belegbar. Schon mal ein Haus/Wohnung alleine verkauft?
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

windalf
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Re: Der Verkäufer zahlt den Makler

Beitrag von windalf » 04.05.19, 11:58

Tastenspitz hat geschrieben:
windalf hat geschrieben:der Maklereffekt nahe bei Null liegt.
Theorie und kaum belegbar. Schon mal ein Haus/Wohnung alleine verkauft?
Ja
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