Recht und Psychologische Aspekte

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knaller71
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Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von knaller71 » 08.12.14, 09:02

Was ich im ganzen "Rechtssystem" auch vermisse, ist die Auswirkung von Geschehen im Umfeld von Rechtsprechung auf die psychische verfasstheit der agierenden.

Im Bereich des Strafrechts bei Delikten im Bereich Körperverletzung oder gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist dies immer mal wieder Thema - aber eigentlich sind psychische Beeinträchtigungen doch schon niederschwelliger (oder in anderer Form ) ein Thema.

Selbst im Zivilrecht: Zerstört eine Rechtsverletzung eine gesamte Existens kann das auch verheerende Auswirkungen haben: Anpassungsstörungen, depressive Verstimmung, ggf. ein depressiver Schub etc...

Im Gegenteil: Der REchtsverletzer hat dann alles richtig gemacht und eine gute Chance, das der verletzte Frsten verpasst oder sonstige Fehler begeht.

Ich stelle mir dabei bildlich vor wie ähnlich diesem Thema:
http://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?f=4&t=258087

Da sitzt jemand und weiss eh nicht wo er's suchen soll - und dann soll er die Initiative ergreifen und sich mit zig unwilligen Anwälten herumschlagen um seine Ablehnung zu dokumentieren?

Das mutet mir schon etwas nach Mittelalter an...

Tastenspitz
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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von Tastenspitz » 08.12.14, 09:33

knaller71 hat geschrieben:Zerstört eine Rechtsverletzung eine gesamte Existens kann das auch verheerende Auswirkungen haben: Anpassungsstörungen, depressive Verstimmung, ggf. ein depressiver Schub etc...
Im Zivilrecht?
Gibts da Beispiele für diese massiven Auswirkungen der zivilen Prozesse?
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knaller71
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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von knaller71 » 08.12.14, 09:51

Es ist natürlich schwer da mit Beispielen zu argumentieren. Denkbar ist das aber schon:

Überalll wo es um höhere Geldbeträge geht kann doch sowas passieren. Mal als fiktives Beispiel:

Ein Handwerker leistet für einen Bauhern umfangreiche Arbeiten - da kommt dem Bauhern zu Ohren, das der HAndwerker eh in finanziellen Schwierigkeiten steckt und nimmt das zum Anlass die Rechnungen nicht mehr zu bezahlen um über angebliche Mängel 'nachzuverhandeln'... dabei rutscht dieser in die Ijnsolvenz und muss seinen Laden dicht machen....

Oder sozusagen in der 'Nachbarschaft' des Zivilrecht - Beim Betrug! Dort gibt es zwar eine Strafschärfung wenn das Opfer finanzill ruiniert ist - aber auch hier könnt ich mir vorstellen, das drVertrauensverlust des Gechädigten erheblich ist und zu störungen führen kann, die als Tatfolge doch völlig unter den Tisch fallen. Ähnlich wie bei Einbruchsopfern, die sich in ihren vier Wänden nicht mehr wohl fühlen....

webelch
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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von webelch » 08.12.14, 10:28

Also Schmerzensgeld für nachweisbare psychische Schäden?

knaller71
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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von knaller71 » 08.12.14, 10:48

webelch hat geschrieben:Also Schmerzensgeld für nachweisbare psychische Schäden?
So abwegig finde ich das nicht - das betrifft ja auch die Krankenkassen, die die Behandlungskosten zu tragen haben. Schwierig ist ggf. den kausalen Zusammenhang darzustellen...

Aber z.B im Falle des Einbruchsopfer ist es ja nicht völlig bestritten, das da psychische Schäden zurückbleiben.
Im deutschen Recht scheint der Bürger grundsätzlich aus Granit zu sein.

Nehmen wir mal die Haftentschädigung! Ich hab von Fällen gelesen, da saßen Unschuldige Jahre in Haft - und als Entschädigung kamen ein paar Euro zusammen.....
Würd mich nicht wundern, wenn die GKV dafür jahrelang Therapien bezahlen muss

JuraPunk
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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von JuraPunk » 08.12.14, 10:54

Schadenersatz für nachgewiesene psychische Schäden als Tatfolgen bei Straftaten gibt es. Nennt sich Schadenersatz für immaterielle Schäden. Die Beweisprobleme sind Ihnen ja bereits selbst aufgefallen.

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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von knaller71 » 08.12.14, 11:06

JuraPunk hat geschrieben: Die Beweisprobleme sind Ihnen ja bereits selbst aufgefallen.
Das ist sicherlich richtig. Aber mal so als Einwurf, das schon niederschwellige Störungen gibt, die sich durchaus bemerkbar machen dies hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anpassungsst%C3%B6rung

Worauf ich aber hinauswollte ist gar nicht in erster Linie der Schadensersatz/Schmerzensgeld sondern der Umgang mit den Geschädigten:
Nehmen wir wie gesagt den Fall wie in dem Thema (Anwaltsrecht/Anwaltshaftung) wo kein Anwalt den PKH -Fall übernehmen will:

Der Geschädigte muss Anträge stellen, Anwälte anfragen (darüber nachweis führen) usw. Das kann in der "richtigen" Verfassung zu einer unlösbaren Aufgabe anwachsen.... :arrow:

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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von JuraPunk » 08.12.14, 11:23

Wie sollte es da sonst laufen? Natürlich muss sich zunächst jeder selbst um einen zur Vertretung bereiten RA kümmern. Welche Möglichkeiten der TE in dem von Ihnen angesprochenen Fall hat, ist bereits aufgezeigt worden.

Darüber hinaus stellt sich doch in dem konkreten Fall die Frage, warum man Anwälte zwingen können sollte, bestimmte Mandate anzunehmen?

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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von Tastenspitz » 08.12.14, 11:23

knaller71 hat geschrieben:Der Geschädigte muss Anträge stellen, Anwälte anfragen (darüber nachweis führen) usw. Das kann in der "richtigen" Verfassung zu einer unlösbaren Aufgabe anwachsen....
Und?
Was ist die Erwartungshaltung konkret?
Eine Rund-um-die-Uhr-Sorglos-Betreuung durch eine Gruppe von Anwälten und Psychologen damit der Kläger (!) hier keinerlei Stress ausgesetzt wird? Finanziert natürlich durch den Staat. Sowas in der Art?
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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von Newbie2007 » 08.12.14, 11:31

"Im Prinzip" gibt es da eine Lösung im deutschen Recht, siehe §1896ff BGB.

Wenn ein Betroffener aufgrund der Situation in eine Depression verfällt und deswegen nicht mehr in der Lage ist, sich selbst um seine Angelegenheiten zu kümmern, kann ihm ein Betreuer gestellt werden. Die Tätigkeit des Betreuer kann auf bestimmte Aufgabenkreise beschränkt werden.

Ob das schon mal jemand versucht hat?

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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von webelch » 08.12.14, 11:36

knaller71 hat geschrieben:Der Geschädigte muss Anträge stellen, Anwälte anfragen (darüber nachweis führen) usw. Das kann in der "richtigen" Verfassung zu einer unlösbaren Aufgabe anwachsen.... :arrow:
Die "Last" des mündigen Bürgers.

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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von ZetPeO » 08.12.14, 11:53

Newbie2007 hat geschrieben:"Im Prinzip" gibt es da eine Lösung im deutschen Recht, siehe §1896ff BGB.



Ob das schon mal jemand versucht hat?
Schmunzel

… und wer vetritt den Betroffenen vor dem Vormundschaftsgericht, wenn er sowieso schon keinen Anwalt hat?
Aber rein theoretisch interessant.

Gr
ZetPeO

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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von knaller71 » 08.12.14, 11:53

Tastenspitz hat geschrieben:
knaller71 hat geschrieben:Der Geschädigte muss Anträge stellen, Anwälte anfragen (darüber nachweis führen) usw. Das kann in der "richtigen" Verfassung zu einer unlösbaren Aufgabe anwachsen....
Und?
Was ist die Erwartungshaltung konkret?
Eine Rund-um-die-Uhr-Sorglos-Betreuung durch eine Gruppe von Anwälten und Psychologen damit der Kläger (!) hier keinerlei Stress ausgesetzt wird? Finanziert natürlich durch den Staat. Sowas in der Art?
Naja, wer wo welche Erwartungshaltung an den Tag legt, das sei mal dahingestellt...
Was wäre denn dagegen einzuwenden z.b. bei vorlage eines entsprechenden Atestes Fristen ausgestzt werden - ohne das der betroffene tatsächlich im Koma liegt...

Besonders unverständlich finde ich das Ausrufungszeichen beim Kläger! Das ist doch die Rolle des Geschädigten!?

Naja - und was die Finanzierung durch den Staat angeht - der ist in den beschriebenen Fällen doch i.d.R. eher Teil des Problems statt Teil einer Lösung:

Man nehme mal den Handwerker aus dem Eingangsbeispiel: Der quietscht wahrscheinlich vor viel zu hohen Steuervorauszahlungen weil irgendwo ein Beamter bearbeitet und bearbeitet und sich nicht vorstellen kann, das der Umsatz total eingebrochen ist :lachen:

knaller71
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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von knaller71 » 08.12.14, 12:00

Newbie2007 hat geschrieben:"Im Prinzip" gibt es da eine Lösung im deutschen Recht, siehe §1896ff BGB.

Wenn ein Betroffener aufgrund der Situation in eine Depression verfällt und deswegen nicht mehr in der Lage ist, sich selbst um seine Angelegenheiten zu kümmern, kann ihm ein Betreuer gestellt werden. Die Tätigkeit des Betreuer kann auf bestimmte Aufgabenkreise beschränkt werden.

Ob das schon mal jemand versucht hat?
Naja - so komisch finde ich das nicht! Depressionen und Störungen aus dem Formenkreis sind ja massiv auf dem Vormarsch. Natürlich ist die Hemmschwelle extrem hoch und die Sache problematisch - aber ich möchte nicht wissen wie hoch die Dunkelziffer ist - allein bei Suizidfällen - wo im Vorfeld die subjektive Lebenssituation auch deswegen so aussichtslos erschien, weil die "Probleme" tatsächlich einfach ungelöst blieben.

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Re: Recht und Psychologische Aspekte

Beitrag von ZetPeO » 08.12.14, 12:01

Tastenspitz hat geschrieben:
knaller71 hat geschrieben:Zerstört eine Rechtsverletzung eine gesamte Existens kann das auch verheerende Auswirkungen haben: Anpassungsstörungen, depressive Verstimmung, ggf. ein depressiver Schub etc...
Im Zivilrecht?
Gibts da Beispiele für diese massiven Auswirkungen der zivilen Prozesse?
Ich kenne dutzende Fälle, deren Existenzen vernichtet wurden.
Und die Zahl derer, die ich nicht persönlich kenne geht in die hundertausende.

Stichwort Schrottimmobilien, geschlossene Fonds, oder neuere Fälle- Lehman Brothers
Oder sind das nur Kollateralschäden des deutschen Rechts?

Gr
ZetPeO

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